Fußbodenheizung ist schön, aber auch teuer

Altlüdersdorfer packten bei der Rekonstruktion der Dorfkirche kräftig mit zu

KARSTEN LEWERENZ

ALTLÜDERSDORF Als die Einwohner von Altlüdersdorf am 15. September 2002 erstmals wieder ins Innere ihres kleinen Gotteshauses strömten, freuten sie sich genau wie der damalige Pfarrer Mario Lucchesi unter anderem über die nagelneue Fußbodenheizung. Die war während der aufwändigen Sanierung der Kirche eingebaut worden. Fast eine halbe Million Euro ist in die liebevolle Rekonstruktion gesteckt worden. Viele Arbeiten, so berichtet der heutige Pfarrer Christian Albroscheit, hätten die Einwohner in Eigenleistungen erbracht. Der Stolz über den Wiederaufbau ist ihnen geblieben. Schließlich war die Kirche wegen Baufälligkeit seit 1984 etwa 18 Jahre lang lediglich eine leere Hülle, in der weder Gottesdienste und Taufen stattfanden, noch jemals die Hochzeitsglocken klangen.

Mit stolz geschwellter Brust erzählt Heinz Brüsewitz, der unter anderem die Kirchenchronik wie seinen Augapfel hütet, dass die Erbauer seinerzeit nicht von irgendwo, sondern aus dem Schweizer Kanton Bern kamen. Eine harte Zeit. Ende des 17. Jahrhunderts prägten nämlich Entbehrungen den Alltag. Die Schweizer aber ließen sich nicht entmutigen, packten tüchtig zu. 1702 hatten sieís geschafft, die Holzkirche war fertig. Bald blühten auch der Ort und die Kirchengemeinde auf. Seither grüßt die Kirchturmspitze weit über den Ort hinaus.

Und auch heute noch prägt die Dorfkirche, die überwiegend aus Holz und Lehm besteht, das Ortsbild. Und zur Weihnachtszeit gehe von ihr einen ganz besonderer Schein aus, schwärmt Brüsewitz. Nämlich der von selbst gefertigten Sternen, der sich durchs Fensterglas bricht und viele Vorbeireisende auf der nahen Bundesstraße ab und an in Verzückung geraten lasse.

Die Freude über die Wärme unter den Schuhsohlen im inneren des Gotteshauses hält sich heute allerdings in Grenzen. Heinz Brüsewitz, einer der aktivsten in der Kirchengemeinde, weiß, dass die Heizung zwar gut und schön ist. Aber denkt er an die Stromkosten, wird ihm zuweilen ganz schön mulmig. "Ständiges Heizen ist einfach zu teuer. Das ist traurig.", sagt Brüsewitz im Gespräch mit der MAZ.

Gehtís um die Heizkosten, wundert es kaum, dass nur bei größeren Veranstaltungen richtig durchgeheizt wird. Ist es draußen bitterkalt treffen sich die Altlüdersdorfer, Neulüdersdorfer und Wentower in der Winterkirche, die nur einen Steinwurf entfernt, im Gemeindehaus in der Alten Dorfstraße 22, zum Gottesdienst einlädt. Im einstigen Pfarrhaus herrscht heute wieder reges Leben. Zwar ist eine Wohnung vermietet worden, aber die anderen Räume werden regelmäßig genutzt. Erst im Dezember schwangen Albroscheit und einige Helfer hier Pinsel und Farben, brachten etwas Licht und frischen Duft in die Räume. Zu den eifrigen Nutzern gehört beispielsweise der Altlüdersdorfer Frauenkreis. Stellvertretend für all jene, die sich immer wieder für ihre Kirche stark machen, nennt Pfarrer Albroscheit Gabi Formumm, Marion Brüsewitz, Irmgard Frenz, Anneliese Lenz oder Sieglinde Vogler. Albroscheit, der neben Altlüdersdorf auch die Kirchengemeinden Tornow, Blumenow, Barsdorf, Marienthal, Burgwall, Dannenwalde und Seilershof betreut, ist gern mit den Altlüdersdorferinnen zusammen. "Da werden nach der Andacht nicht nur tiefschürfende Themen behandelt. Zuweilen wird auch viel gelacht", erzählt der Geistliche, der gern mal zur Gitarre greift. Das aber auch, weil die Gemeinde in ihrer Kirche auf Orgelmusik verzichten muss. Derzeit wird kann nur in der Winterkirche auf einer Orgel aus DDR-Zeiten musiziert werden. Zwar besitzen die Altlüdersdorfer ein schönes altes Instrument. Das aber, so Albroscheit, lagert in Einzelteilen. Andere Kirchengemeinden hätten bereits Interesse an dem wertvollen Stück signalisiert. Die Entscheidung darüber, ob man sie weg gibt oder viel Geld für die Rekonstruktion auftreibt, muss die Gemeinde treffen.

Gehtís ums Gemeindeleben, so sei man auf einem guten Weg. Langsam, aber sicher gewinne die Arbeit in der kleinen Gemeinde an Kontinuität. Die hatte gelitten, weil in den vergangenen Jahren die Pfarrer häufiger gewechselt haben. Und auch Albroscheit habe sich erst an die Eigenheiten der Altlüdersdorfer gewöhnen müssen: "Ein Gottesdienst am Vormittag, unvorstellbar. Schließlich muss das Mittagessen pünktlich auf dem Tisch stehen. Also treffen wir uns um 14 Uhr."

Froh ist der Pfarrer darüber, dass mittlerweile regelmäßig Konfirmandenunterricht geboten wird. Nach langjähriger Pause wird es 2006/07 wieder gelingen, in der Kirche eine Konfirmation zu feiern. Wünschenswert wäre es, so ergänzt Heinz Brüsewitz, wenn mal wieder ein rauschendes Hochzeitsfest in der Kirche gefeiert werden könnte. Aber momentan, so bedauert er, werden wohl keine Hochzeitsglocken erklingen. Ein besonders Dankeschön schickt Heinz Brüsewitz übrigens an Fritz Müller. Der ortsansessige Treppenbaufachmann habe nicht lange gezögert, als er seinerzeit von der Kirchengemeinde um Hilfe gebeten worden war. Er hat nicht nur die schmucke Wendeltreppe gebaut, sondern auch dafür gesorgt, dass vor die oberen Fenster Geländer kamen, die etwa spielende Kinder vor Unheil schützen sollen.

Trotz aller Rekonstruktionserfolgen am altehrwürdigen Gotteshaus bleibt noch eine Menge zu tun. Ein Blick von Heinz Brüsewitz zur Empore macht den Aufwand deutlich. Zwar sind etliche Balken bereits erneuert, andere aber scheinen nicht mehr zu retten zu sein. Die Spezialisten des Denkmalschutzes untersagten, dass Teile des Emporengeländers gestrichen werden. Und auch einige der tragenden Säulen könnten eine Verjüngungskur gut vertragen.

Dafür aber fehlt genau wie für eine neue Orgel noch das nötige Kleingeld.

Märkische Allgemeine vom 18. März 2006

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