Uckermark leistet sich Denkmalfonds

Ein Drittel brandenburgischer Bauten erst gesichert Behörden und Eigentümer kämpfen vor Ort um Erhalt

Von unserem Redaktionsmitglied Monika Strehlow

Uckermark Während sich die Bundesregierung - unter dem Protest von Fachinstitutionen und Experten - aus ihrer Verantwortung für den ländlichen Raum auch in Sachen Baudenkmalschutz und -pflege zurückzieht, wenden Denkmaleigner und -behörden vor Ort alle Kraft auf, die Zeugnisse der Kulturgeschichte zu erhalten.

Ein mühseliges Geschäft: Von den rund 10 500 erfassten Denkmalen im Land sind bisher etwa nur ein Drittel saniert, brachte Landeskonservator Detlef Karg kürzlich im "Tagesspiegel" zum Ausdruck. In der Uckermark befindet sich etwa ein Drittel aller bisher erfassten brandenburgischen Baudenkmale. Nach dem Ende des "Dach und Fach"-Programms, so machte Bernd Janowski, Geschäftsführer des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V., im Oktober in Gollmitz deutlich, stehe zu befürchten, dass sich auch das Land angesichts der Haushaltslöcher nicht mehr in der Pflicht sehe. "Nun ist Brandenburg leider das Bundesland mit den geringsten Ausgaben im Bereich Kultur, speziell auch für die Denkmalpflege", sagte er. "Wenn der Druck zur Kofinanzierung wegfällt, dann kann die Bereitschaft des Landes zu eigenen Denkmalpflegeausgaben leicht noch mehr sinken."

Mit der Änderung des Gemeindefinanzierungsgesetzes im Jahr 1995 wurden auf kommunaler Ebene die Mittel für den Denkmalschutz aus dem Landeshaushalt in die Verfügungsgewalt der Kommunen übertragen - jedoch ohne Zweckbindung. Der Landkreis Uckermark ist einer der wenigen in ganz Brandenburg, der nicht nur eine "Richtlinie zur finanziellen Förderung von denkmalschützerischen und denkmalpflegerischen Maßnahmen und Projekten" besitzt, sondern es sogar schaffte, diese jährlich finanziell zu untersetzen. Mehr als 1 533 000 Euro bewilligte der Kreis in diesen neun Jahren für 285 Maßnahmen. Erstaunlich dabei ist die Vervielfachung der Mittel, die oftmals "nur" zur Aufstockung eines Eigenanteils oder als "Taschengeld" für immense Finanzaufwendungen an Baudenkmalen dienten. Beispielsweise wurden im Jahr 2002 aus 100 000 Euro Kreisförderung insgesamt 2,3 Millionen Euro Gesamtinvestitionen. Während Statistiker bundesweit eine Vervielfachung der Denkmalschutzmittel von 1 :8 errechnen, wurden in der Uckermark damit 23-mal so viele Mittel aktiviert. "Von diesen 2,3 Millionen blieben 85 Prozent in der Region", machte Sachgebietsleiter Axel Kempert auf der zweiten Denkmalschutztagung des Landkreises Ende Februar deutlich. Das ist übrigens auch der engen Zusammenarbeit verschiedenster Partner zu verdanken. Kempert nannte die Fördertöpfe für den Denkmalschutz "Karaffen mit einem sehr schlanken, schmalen und langen Hals", bei denen es nicht genüge, flinke Beine zu haben: "Man muss schon mit entsprechendem Werkzeug hineingreifen können".

Diese Werkzeuge könne die untere Denkmalschutzbehörde anbieten beziehungsweise gemeinsam mit den Denkmaleignern versuchen zu finden, bot Kempert an.

Hilfe angeboten

Nach dem derzeitigen Novellen-Entwurf des neuen Denkmalschutzgesetzes soll in Potsdam erneut ein Denkmalfonds wie es ihn vor 1995 schon einmal gab aufgelegt werden. Bislang ist aber nicht bekannt, wann und in welchem Umfang er zur Verfügung stehen wird. Bekannt sind der unteren Denkmalbehörde jedoch die bisher in der Uckermark maßgeblich wirkenden Stiftungen: die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Oetker-Stiftung und die Stiftung Maßwerk.

"Uns liegen die Richtlinien und Förderbedingungen vor, wir kennen die Ansprechpartner. Wir helfen gern, bei Antragsformulierung und -stellung", bietet Sachgebietsleiter Kempert den Geldsuchenden die Hilfe der Behörde an.

Über die Stiftungen hinaus öffnet auch das Amt für Flurneuordnung und ländliche Entwicklung in seinen Richtlinien zur Entwicklung des ländlichen Raums sowie zur Dorferneuerung privaten wie anderen Denkmaleignern durchaus Wege, Finanzen zu erhalten.

Wenn auch keine Rechtsmittel daraus abgeleitet werden können, so sind die Mitarbeiter der Behörde in der Prenzlauer Grabowstraße durchaus bereit, auf Anträge einzugehen. Selbst Kirchen bleiben nicht außen vor, wenn sie mit einer soziokulturellen Begegnungsstätte aufwarten könne.

Davon haben zum Beispiel die Kirchen in Wolfshagen und Vierraden, das Schloss Schönow, die Wassermühle Gollmitz, der Park Görlsdorf und das Wohnhaus 7 in Bebersee profitiert.

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