"Daraus resultiert kein Nutzungsrecht"

Superintendent macht auf Gefahren des wachsenden Engagements Außenstehender für Kirchen aufmerksam

(Von unserem Redaktionsmitglied Claudia Marsal / Uckermark.) Superintendent Reinhard Müller-Zetzsche sieht das wachsende Engagement von Fördervereinen und Kommunen für die hiesigen Kirchen mit gemischten Gefühlen. Auf der jüngsten Kreissynode in Prenzlau erklärte er, dass das zum einen natürlich Hoffnung gebe, dass die Last der baulichen Unterhaltung nicht allein auf den Schultern der kleinen Kirchengemeinden bleibe. Er würdige auch durchaus, dass Menschen vom Rand der Kirche oder außerhalb der Kirche Mitverantwortung für den Bestand der Gotteshäuser übernähmen.

Dennoch sind mit dieser Entwicklung verschiedene Gefahren verbunden. Zum einen darf das Verfügungsrecht des Gemeindekirchenrates über Bestand und Nutzung nicht aufs Spiel gesetzt werden. "Besonders von kommunaler Seite habe ich schon mehrmals den Gedanken gehört: Wenn wir so viel Geld in die Kirche investieren sollen, dann steht uns auch zu, die Kirche in unserem Sinne mit zu benutzen", gab Müller-Zetzsche zu bedenken. Selbst von Seiten einiger Fördervereine gebe es ähnliche Überlegungen. Dazu sei deutlich zu sagen, dass die Kirche nur nach den Vorgaben des Gemeindekirchenrates genutzt werde, so lange sie Kirche sei. "Kommunen tragen auf gesetzlicher Grundlage Verantwortung für die Baudenkmale in ihrer Region. "Daraus resultiert kein besonderes Nutzungsrecht", bekräftigte der Superintendent vor den Synodalen.

"Zusätzliche Belastung"

Eine zweite Gefahr könnte in der zusätzlichen Belastung kirchlicher Mitarbeiter und Dienststellen liegen. Immer noch ruhe ein großer Teil der Bauverantwortung auf deren Schultern, vor allem denen der Pfarrer. Angesichts der angespannten Personalsituation sei es jedoch nicht wünschenswert, dass die Arbeit in Seelsorge und Verkündigungsdienst zu Gunsten der Bautätigkeit eingeschränkt werde.

Eine dritte Gefahr bestehe im Vermögensverlust. Eine Reihe von Kirchengemeinden sei bereits den Weg gegangen, Vermögensgegenstände zu veräußern und den Erlös in ihre Kirchen zu investieren. Das sei angesichts baulicher Nöte verständlich, aber ein gefährlicher Weg. "Vermögen ist dazu da, Erträge zu erwirtschaften und damit kirchliche Arbeit zu ermöglichen", stellte der Superintendent klar. Wer heute den Besitz der Kirchengemeinde verbrauche, sorge damit zwangsläufig dafür, dass der nächsten Generation die Mittel zum Unterhalt der Kirche und auch Personalmittel fehlten. Als Beispiel nannte er die Kirche in Malchow. Natürlich habe man nichts dagegen, wenn ein schwer beschädigtes Gotteshaus wieder in Gang komme. Aber es wäre in diesem Fall unverantwortlich, kirchliches Geld dort zu investieren. Genutzt werde nämlich die benachbarte Kirche in Göritz. "Und es ist nicht absehbar, dass wieder ein kirchlicher Bedarf zur Nutzung der Malchower Kirche entsteht.".

 

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