Taufengel zurück in Dahlen

Götterbote schwebt nach acht Jahren im Exil wieder im sanierten Kirchlein

CLAUDIA NACK

DAHLEN (Potsdam-Mittelmark) Neben anderen Wesen aus einer anderen Welt, darunter dem Buckauer und dem Wenzlower Götterboten, der heute zurück erwartet wird, konnte man ihn noch am Sonntag in der Taufausstellung im Dom zu Magdeburg bewundern. Jetzt schwebt der anmutige Dahlener Taufengel wieder im sanierten Kirchlein seines Heimatdorfes. Ein bewegender Moment für die Kirchenälteste Erika Bärmann, Pfarrerin Jana Büttner und die kleine Gemeinde, die ihn am Dienstag mit einer kurzen Andacht begrüßten. Denn er war mehrere Jahre im Exil.

Zu Zeiten von Pfarrer Schorr fand die liebreizende Erscheinung, die in der erhobenen linken Hand einen Palmenzweig und in der rechten eine Muschelschale hält, vor etwa acht Jahren in der Görzker Sakristei ein Asyl. Da Dahlens Fachwerkkirche in einem erbärmlichen Zustand war, wollte man das der nach 1700 von einem unbekannten Künstler geschaffenen filigranen Holzfigur nicht länger zumuten. Sie könnte eine Schenkung der Familie von Schierstedt gewesen sein, denen das Gut gehörte.

Wegen eines neueren Stützbalkens schwebt der Taufengel, der ganze Generationen begleitet hat, mit tänzerischer Leichtigkeit jetzt aber nicht mehr neben der Empore, sondern unweit des Barock-Altars. "Der Zustand war nicht so schlecht", sagt Dirk Jacob, der die 98 Zentimeter große Schmuckfigur direkt aus Magdeburg holte. Der Berliner Restaurator hatte sie, die 1992 gegen den Holzwurm behandelt wurde, für die Ausstellung "Tausend Jahre Taufen in Mitteldeutschland" fein gemacht. Die Magdeburgerin Rosemarie Krause ermöglichte dies mit ihrer Spende als Patin. Die Stiftung Kunst- und Kulturgut der Kirchenprovinz Sachsen hatte diese Aktion ins Leben gerufen. Im Frühjahr soll es mit der Patin in Dahlen einen Engelsgottesdienst geben. Jacob festigte und reinigte das Holz, ersetzte abgebrochene Gewandstege, retuschierte Farbfehlstellen. "Er ist außergewöhnlich elegant, einer der schönsten im Land", sagt der Restaurator, der als Mitautor des Buches "Taufengel in Brandenburg" mit dem Landesdenkmalamt 145 Wesen besuchte.

"Unter seinen Flügeln wollen wir uns treffen", ist die frühere Heimleiterin Elfriede Spiesecke über die Rückkehr beglückt. Auch die Wollinerin Marianne Gregor ist von der Anmut des Engels fasziniert. Die 70-Jährige schrieb über die Sanierung des Dahlener Gotteshauses eine Geschichte, die 2007 zum 850-jährigen Jubiläum der Mark in der Anthologie der Havelländer Autorengruppe erscheinen soll. "Zwei Engel für eine kleine Kirche" heißt sie. "Der lebendige Engel ist Erika Bärmann, die niemals locker ließ."

Märkische Allgemeine vom 09. November 2006

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