Wandmalerei wieder entdeckt

Kirchensanierung förderte auch faszinierende Emporenfenster zutage

FRANK PECHHOLD

WALTERSDORF Mittelalterliche Wandmalerei wurde bei der Sanierung der Feldsteinkirche im Schönefelder Ortsteil Waltersdorf wieder entdeckt. Jahrhunderte lag sie verborgen unter vielen Putzschichten. „Wir sind froh, dass wir sie frei gelegt haben“, so Georg Schmidt vom Berliner Architektenbüro Günther. Er betreut seit zwei Jahren die bisher rund 450000 Euro teuren Sanierungsarbeiten.

„Auf die etwa 700 Jahre alte Wandmalerei sind wir gestoßen, als der lockere Putz runter musste“, sagt Schmidt. Nur noch schemenhaft seien Kopf, Weihekreuz, Sterne und ein Gewand zu erkennen. Weiter kamen Umrisse kleiner Fenster und eine mit Feldsteinen gerahmte Tür zum Vorschein.

Eine andere Entdeckung sind die Emporenfenster. Unter der gelbgrauen Farbe schlummern kleine Kunstwerke. Gemalt wurden sie 1913. „Aber nicht wie damals üblich mit Schablonen, sondern frei Hand“, erklärt Georg Schmidt. Vergleichbare Malereien in dieser Qualität seien sehr selten. Mit Hilfe alter Fotos werden die Motive der Emporenfenster restauriert.

Farblich neu gestaltet und anders angeordnet wurden die einst in tristem Grau überstrichenen Sitzbänke. In den 70er Jahren ließ man die Bänke in die Mitte stellen und ringsum einen Gang anordnen. Nun teilt der Mittelgang wie historisch belegt die rot und schwarz abgesetzten Bankreihen. Keiner der Kirchgänger wird den mit Estrich verschandelten Fußboden vermissen, der Terrakotta-Fliesen gewichen ist. „Alles ist ein bisschen lebendiger und sehr viel schöner geworden“, freut sich Pfarrer Hans-Karl Kahlbaum über das frische Gesicht des in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbauten, spätromanischen Gotteshauses.

Dessen Schlichtheit unterstreicht der von der Kirchengemeinde gewünschte, neue Kronleuchter. Gewählt wurde eine simple und kostengünstige Variante. Kreisrund angeordnete, von der Decke herab hängende Kabel mit 25-Watt-Glühbirnen spenden Licht.

Um Pfingsten 2006 möchte Pfarrer Kahlbaum die Kirche mit einem Festgottesdienst wieder einweihen. Dann soll auch die alte Orgel wie neu klingen. In den 70er Jahren brachte man sie aus einem Abrissdorf bei Leipzig, dessen Kirche der Braunkohle weichen musste. Mit der Restaurierung wurde die selbe Eberswalder Orgelbauwerkstatt beauftragt, die das Instrument damals in Waltersdorf aufstellte. Kahlbaum: "Wir wollen der Orgel ein anderes Gesicht geben, damit sie nicht länger so aussieht wie ein alter Karnickelstall."

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