FELS IN DER BRANDUNG

Einweihung des "dicken Endes"/ Zehdenicker Kirchenturm saniert

ANDREAS RÖHL

 Zehdenicker Kirchenturm

ZEHDENICK Wegen des "dicken Endes" der Kirche sind die zahlreichen Gäste zusammen gekommen. Das "dicke Ende" ist der Turm mit seinen mächtigen Mauern, der im Mittelalter als Bollwerk gegen das Böse gedient hat. Aus dem Westen habe man im Mittelalter nichts Gutes erwartet, so Pfarrer Friedrich Demke gestern in der Zehdenicker Stadtkirche. Deshalb sollten die Kirchtürme auch mächtig und abwehrstark erscheinen, damit sich die Schäfchen im Schatten dieses Bollwerks auch sicher fühlen konnten.

Die Wiedereinweihung des Kirchturmes an der Westseite des historischen Gebäudes hat gestern so viele Menschen in den sicheren Ostteil des Gotteshauses gelockt, dass der Pfarrer nicht alle Anwesenden mit Namen begrüßen konnte. Er drückte aber seine Freude darüber aus, so manchen zum ersten Mal im ehemals wichtigsten Bauwerk im Ort willkommen heißen zu dürfen.

Größenwahn in Form des Höhenwahns, habe Menschen früher offenbar dazu getrieben, solche mächtigen Bauten zu errichten. In Babel habe Gott dem überheblichen Treiben ein Ende bereitet, erinnerte Demke. In Zehdenick ist der Kirchturm bis heute das höchste Bauwerk und deshalb in der Sanierung nicht ganz billig gewesen. Allerdings habe die Kirchengemeinde sorgfältig die Kosten überschlagen, so dass die Rechnung am Ende zwar etwas teurer wurde als ursprünglich gedacht unvorhergesehener Schimmelbefall an der Dachkonstruktion war der Grund aber letztlich habe das Bauwerk reibungslos aufgearbeitet werden können.

445000 Euro hat die Sanierung des 45 Meter hohen Kirchturmes gekostet. Darin enthalten ist der städtische Anteil, Fördergeld vom Land und das Geld der Kirche. Bürgermeister Arno Dahlenburg würdigte seinerseits den Mut der Kirchengemeinde, dieses Projekt anzuschieben, weil doch nicht abzusehen war, dass am Ende alles so reibungslos klappen würde. Es sei nicht einfach gewesen, die Finanzierung auf eine solide Basis zu stellen.

Die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, Elke Kurze, erinnerte dann auch daran, dass die Entscheidung zur Sanierung eine sehr schwierige gewesen war. Doch als der Turm vor zweieinhalb Jahren wegen abbröckelnder Steine zur Gefahr wurde und laut eines Schreibens von der Baubehörde bei Nichthandeln der Kirchplatz komplett abgeriegelt werden müsse, konnte es kein Zögern mehr geben. Ein Jahr habe es gedauert, bis das Geld zusammen war und die Architektin Sybille Stich mit der Koordination der Aufgaben beginnen konnte.

Die Arbeiten seien dann etwas umfangreicher ausgefallen, als anfänglich gedacht, aber das Ergebnis könne sich jetzt sehen lassen, so die Architektin. Sie sei zwar etwas traurig, weil Turm und das noch nicht überarbeitete Kirchenschiff nicht zusammen passten, aber das könne ja demnächst behoben werden.

Unerwähnt sollte nicht bleiben, dass echte Zehdenicker Wertarbeit, wenn nichts außergewöhnliches passiert, in den nächsten 500 Jahren die Turmspitze ziert. Dafür hat Bernd Schönfeld mit seinem gleichnamigen Schlosserunternehmen gesorgt. Wetterfahne und Schmuckkugel sind aus Edelstahl gefertigt. Wer das gute Stück später mal erneuert, wird Dokumente aus heutiger Zeit finden. Darunter einen Brief von Pfarrer Demke, in dem er vielleicht auch auf den Grund für die mächtige Bauweise des Turms hinweist.

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