HORNOER KIRCHE IN SCHUTT UND ASCHE

Gotteshaus musste Tagebau weichen

BEOWULF KAYSER

HORNO. Die alte Dorfkirche in Horno (Spree-Neiße) liegt in Schutt und Asche. Das einstige denkmalgeschützte Gotteshaus musste gestern dem noch wenige Meter entfernten Braunkohlentagebau Jänschwalde weichen. Nur die Grundmauern ragen noch in die Einöde des zu 80 Prozent abgerissenen deutsch-sorbischen Dorfes. Kurz nach 15 Uhr zerriss ein ohrenbetäubender Knall die Stille in Horno.

Langgezogene Warntöne hatten den bereits für vergangenen Montag angekündigten "Tag X" für die über 500 Jahre alte Feldsteinkirche eingeleitet. Die Polizei sperrte bereits um die Mittagszeit das Gelände weiträumig ab. Wenige Minuten vor der Sprengung verschanzten sich die Männer vom Sprengkommando etwa 200 Meter von der Kirche entfernt hinter einem Container. Mehr als 200 Bohrlöcher waren in die über einen Meter dicken Kirchenwände gebohrt worden. Doch das historische Bauwerk überstand den Total-Abriss. Wie durch ein Wunder flogen nur das Dach, der Rumpf des einstigen Kirchturms und die oberen Teile der Kirchenmauern durch die Lüfte des trüben November-Nachmittags.

"Sie haben es nicht geschafft, die ganze Kirche auf einmal zu sprengen", sagte die letzte Hornoer Einwohnerin Ursula Domain. Mit ihren Gästen feierte sie gestern in der Dorfstraße ihren 65. Geburtstag. Für den Ortsvorsteher des neuen Forster Stadtteiles Horno, Bernd Siegert, war die überraschende Sprengung der alten Dorfkirche eine große Enttäuschung. Der Energiekonzern hatte ihm die noch gut erhaltenen Dachziegel der Hornoer Kirche für das marode Dach des Gotteshauses in Forst-Eulo versprochen.

Vattenfall-Sprecher Peter Fromm hatte angekündigt, den Sprengtermin nicht öffentlich anzukündigen. Ob es zu einer weiteren Sprengung kommt, ließ der Energiekonzern gestern offen.

   Zur Artikelübersicht