DER BLICK GEHT NACH OBEN

Deckenmalerei in Wusterwitzer Kirche restauriert / Weitere Sanierung

FRANK BÜRSTENBINDER

WUSTERWITZ Jochen Münnich muss nicht lange überlegen, wenn er nach der Wusterwitzer Kirche gefragt wird. „Wir haben gespendet, weil wir neben einem großartigen Bauwerk engagierte Menschen vorgefunden haben, die sich für dessen Erhalt einsetzen“, sagte der Geschäftsführer der Hermann Reemtsma Stiftung gestern bei der feierlichen Übergabe der frisch restaurierten Feldsteinkirche.

Das alte Mauerwerk, der Turm, das Dach und die spätgotische Deckenmalerei sind in den letzten beiden Jahren für insgesamt 365 000 Euro saniert worden. Davon steuerte die Reemtsma-Stiftung 70 000 Euro bei. Brandenburgs Agrar- und Umweltministerium hat die Arbeiten unter Einsatz von EU-Mitteln mit 122 000 Euro unterstützt. Weitere 50 000 Euro kamen aus dem Topf der Stadterneuerung. „Zwar ist Wusterwitz keine Stadt, doch die Größe und die zentrale Bedeutung gaben Anfang der neunziger Jahre den Ausschlag für die Aufnahme in das Programm der Stadterneuerung und nicht wie sonst auf dem Lande üblich in das Programm der Dorferneuerung“, erinnerte Rita Werneke vom Ministerium für Infrastruktur und Raumordnung. Bürgermeister Klaus Steffen bezeichnete das Kirchen-Projekt als eine der „schönsten Reko-Maßnahmen“ im Ort. Zusammen mit Dorfplatz und Kulturscheune habe Wusterwitz einen sanierten Ortskern erhalten, der sich auch zusammen mit der neuen Uferpromenade sehen lassen könne, so Steffen. (s.a. Märkische Allgemeine vom 16.06.2004)

Jutta Storch vom brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege würdigte die kulturhistorische Bedeutung der Wusterwitzer Dorfkirche. Der denkmalgeschützte Sakralbau wird im Jahr 2009 genau 850 Jahre alt. Aus der Dorfkirche entstand eine wehrhafte spätromanische Saalkirche mit den charakteristischen Querschiffen. Die ältesten Eichenbalken über dem Chor stammen aus dem 12. Jahrhundert, wie ein dendrologisches Gutachten belegt. Im Kirchturm hängen drei Bronzeglocken. Die größte hat einen Durchmesser von 1,16 Metern und wurde um 1350 gegossen.

Ab 1993 begannen umfangreiche Voruntersuchungen zum Erhaltungszustand. Nassfäule hatte sich breit gemacht, die Statik war gefährdet, der Mörtel in den Feldsteinfugen bröckelte, die Glockenanlage war reparaturbedürftig. Die Rekonstruktion wurde schließlich in die Stadterneuerung eingebunden, die seit Jahren in den Händen der Brandenburgischen Stadterneuerungsgesellschaft (BSG) mit Uwe Schieferdecker liegt. Als Architekten betreuten Heidrun Fleege und Sandra Freitag vom Büro Fleege & Oeser die Sanierung.

Als erster Schritt im Kircheninneren begann im August 2005 die Restaurierung des Glanzstückes der Kirche, der spätgotischen Deckenmalerei über dem Chor. Noch fehlen rund 50 000 Euro für die Restarbeiten im Innern. Die Kirchengemeinde hat daher Stifterbriefe aufgelegt, die zum Wert von 25 Euro von jedermann erworben werden können.

Nächster Höhepunkt zugunsten der Kirche ist ein Benefizkonzert mit Chormusik am morgigen Sonnabend um 15 Uhr in der Kulturscheune.

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