FÖRDERMITTEL-STOPP BEDROHT DENKMALE

Nichts mehr unter Dach und Fach

GUDRUN SCHNECK

ZOSSEN Seit mehreren Jahren laufen an der Baruther Kirche St. Sebastian Sanierungsarbeiten, von denen der Passant wenig sieht. Sie passieren im wahrsten Sinne des Wortes im Untergrund. Die Kirche steht wie ein Großteil des Städtchens auf einer Tonlinse. Sie gefährdet die Standfestigkeit der Kirche. Deshalb stabilisieren Spezialisten mit so genannten Hochdruckinjektionen den Boden. Beim Einpressen fließfähiger, aushärtender Mittel wird das Bauwerk im Fundamentbereich gesichert. Bisher geschah dies unterm Kirchenschiff. Nächstes Jahr wäre der Boden unter dem Turm dran - doch es droht der Abbruch der Arbeiten.

Die Baruther Kirche profitiert bisher vom Kulturförderprogramm des Bundes für die neuen Länder "Dach und Fach". Mitte des Jahres kündigte Kulturstaatsministerin Christina Weiss an, dass der Bund diese Förderung zum Jahresende 2003 einstellt.

Rita Mohr de Pérez, Chefin der Unteren Denkmalschutzbehörde Teltow-Fläming, ist verärgert: "Das wäre schlimm für zahlreiche Denkmale im Landkreis. Kulturhistorisch wertvolle und unwiederbringliche Bausubstanz steht auf dem Spiel." Neben der Baruther Kirche harren auch die Schlossruine Dahme und die Kirche in Schöna-Kolpien der weiteren Sicherung.

An der Schlossruine Dahme gab es bisher Sicherungs- und Aufräumungsarbeiten im Seitenflügel. Hiltrud Preuß von der Unteren Denkmalschutzbehörde erläutert: "Nächstes Jahr planen wir die Sicherung des Mittelteils. In diesem kunsthistorisch wertvollsten Teil der Ruine befindet sich die Wappenkartusche der Herzöge von Sachsen-Anhalt. Wenn die Erhaltungsarbeiten nicht weiter gehen können, droht das Gewölbe des Mittelteils einzustürzen." Nicht mehr lange gestanden hätte die Kirche in Schöna-Kolpien, wenn nicht über das Programm "Dach und Fach" Geld zur Stabilisierung des Dachstuhls geflossen wäre. Nächstes Jahr ist die Erneuerung der Dachhaut an der Reihe. Als weitere dringende Projekte sieht die Untere Denkmalschutzbehörde Sicherungsarbeiten an der Grafschaft Kloster Zinna, an der Kirche Hennickendorf und am Frauenhaus Baruth an.

Seit 1998 kamen über das Programm "Dach und Fach" pro Jahr 68 000 Euro vom Bund und noch einmal so viel vom Land in den Landkreis Teltow-Fläming. "Trotzdem ist das nicht viel mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein", so Hiltrud Preuß. Sie ermuntert Eigentümer von Baudenkmalen, Anträge für "Dach und Fach 2004" zu stellen: "Die Landesregierung muss merken, wie groß der Bedarf ist."

Wenn schon der Bund nicht mehr zahlen will, könnte wenigstens das Land seinen Anteil beibehalten oder aufstocken. Detlev Karg, Leiter des Landesamtes für Denkmalpflege, gibt die Hoffnung noch nicht auf: "Wir erhalten mit diesem Sanierungsprogramm einerseits wertvolle Bausubstanz, gleichzeitig sichern wir Arbeitsplätze, geben mittelständischen Firmen, Restauratoren und Planern Aufträge. Solche nachhaltige Investitionstätigkeit wegbrechen zu lassen, wäre für mich nicht nachvollziehbar."

Das Land Brandenburg ist das einzige der neuen Bundesländer, das über keinen Denkmalsfonds verfügt und bei der Denkmalspflege allein auf Fördermittel angewiesen ist.

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