"Kultur ist doch nicht bloß das Sahnehäubchen"

Fördervereine treffen sich in Gollmitz

Von unserem Redaktionsmitglied Heiko Schulze

Gollmitz. An Bauwagen, Containern und Brettern vorbei führte der Weg in die Gollmitzer Kirche. Dort trafen sich Mitglieder aus den 30 Fördervereinen, die sich im Landkreis Uckermark vornehmlich dem Erhalt und der Instandsetzung von Dorfkirchen widmen. "Der Staat braucht den Bürger, um Denkmale zu erhalten. Umgekehrt braucht dazu auch der Bürger den Staat auf allen Ebenen, das Land, den Kreis und die Kommunen", betonte Bernd Janowski, Förderkreis Alte Kirchen Berlin - Brandenburg, der zusammen mit Jürgen von Chamier, Förderverein Gollmitzer Wehrkirche, zu dem Gesprächs- und Diskussionsabend eingeladen hatte.

Janowski stellte heraus, dass eine Kulturlandschaft nur als Zusammenspiel unter anderem von Denkmalpflege, Literatur, Musik und Religion funktioniere: "Gerade in der Uckermark gibt es eine Vielzahl kultureller Einzelaktivitäten, so dass es an manchem Wochenende schwer fällt, sich zu entscheiden, wo man hingehen will." Neben der reizvollen Landschaft mache nicht zuletzt "der enorme Schatz an Denkmalen" die Attraktivität der Uckermark aus. "Kultur ist eine existenzielle Lebensnotwendigkeit und kein Sahnehäubchen auf dem Pudding", zweifelte er, ob die Abschaffung der Fahrbibliothek, die Umwandlung des Preußischen Kammerorchesters und die Honorarverträge für Lehrer der Kreismusikschule der richtige Weg für die Uckermark sei: "Niemand leugnet die großen finanziellen Probleme des Landkreises. Aber bisher hat es noch niemand geschafft, einen maroden Haushalt zu sanieren, indem an der Kultur gespart wird."

Völliges Unverständnis wurde in der Diskussion darüber gezeigt, dass die Förderprogramme "Dach und Fach" sowie "Erhaltung der Kulturdenkmale in den neuen Bundesländern" ersatzlos gestrichen werden.

Sechs Millionen Euro jährlich sollen noch den neuen Bundesländern zur Förderung national bedeutsamer Denkmale zu Verfügung stehen: "Man will sich offenbar nicht mehr um jede x-beliebige Dorfkirche kümmern, sondern versucht ‚Leuchttürme' zu unterstützen." Der Förderkreis habe diesbezüglich bei der Bundesministerin protestiert, aus ihrem Ministerium aber zur Antwort erhalten, dass eine flächendeckende Förderung in den neuen Bundesländern inzwischen nicht mehr vorrangig gesehen wird: "Wir haben sie daraufhin zu einem Besuch in der Uckermark eingeladen." Seit 1995 habe zudem das Land die Verfügung über Mittel für den Denkmalschutz nicht zweckgebunden auf die Kommunen übertragen, so dass diese Gelder mitunter "in Buswartehäuschen und Straßenbeleuchtung" fließen. "Die Frage steht im Raum, ob bürgerschaftliches Engagement als bequeme Lösung gesehen wird, um sich aus Pflichtaufgaben zurückzuziehen?"

Bürgerstiftung soll helfen

Landrat Klemens Schmitz (SPD), der den ehrenamtlichen Fördervereinen seine "große Anerkennung" versicherte, bemühte sich diesen Eindruck zumindest für den Landkreis Uckermark zu widerlegen.

Trotz schwieriger Finanzlage habe der Landkreis in diesem Jahr die Eigenmittel für die Denkmalpflege von 100 000 (2002) auf 150 000 Euro erhöht. Im Jahr 2002 wurden Zuwendungsbescheide in der Gesamthöhe von 100 000 Euro an 18 private, 15 kirchliche und vier kommunale Empfänger vergeben, wodurch Gesamtinvstitionen von zirka 2,27 Millionen Euro emöglicht wurden. Mit etwa 85 Prozent der damit verbundenen Leistungen wurden 24 Baufirmen aus dem Landkreis Uckermark bedacht, bei weiteren 16 in der Uckermark ansässigen Händlern wurden Baumaterialien erworben, führte Sachgebietsleiter Axel Kempert auf. Insgesamt bezahlte der Landkreis in den Jahren 1995 bis 2003 aus der eigenen Tasche 1,533 Millionen Euro als Zuwendungen für Maßnahmen im Denkmalschutz. Dahinter stehe ein Investitionsvolumen von zirka 30 Millionen Euro, unterstrich Landrat Schmitz das enorme Potenzial des Denkmalschutzes für das kulturelle Leben in der Region, den Fremdenverkehr aber auch als Wirtschaftsfaktor: "Der Wille besteht, die Mittel dafür kontinuierlich aufzustocken."

Zu einem wichtigen Meilenstein soll dabei eine Bürgerstiftung entwickelt werden, für die die Sparkasse Uckermark den Grundstock legt. Vor dem Zweiten Weltkrieg habe es allein in Prenzlau über 30 Stiftungen gegeben, die alle untergegangen sind, inklusive Vermögen und Stiftungsurkunden, schildert Schmitz: "Die Sparkasse Uckermark zeigte sich offen für die Überlegungen, Bürgersinn und Bürgerverantwortung wieder zu beleben. So soll das Geld, das die Sparkasse hier erwirtschaftet, langfristig der Region zugute kommen." Ziel sei es jetzt, so schnell als möglich 2, 5 Millionen Euro als Stiftungskapital zusammen zu bekommen. Dieses darf dann allerdings nicht angetastet werden, wohl aber die damit erzielten Erträge. Diese würden bei einer dreiprozentigen Verzinsung zirka 100 000 Euro betragen. Dieses Geld soll dem Denkmalschutz, der Kultur- und der Sportförderung zugute kommen.

Wichtiger Wirtschaftsfaktor

Janowski begrüßte dieses Ansinnen ebenso wie die Aussage Schmitz, dass die Mittel des Landkreises für den Denkmalschutz künftig nicht sinken, sondern steigen sollen: "Kirchen sind oft die einzigen verbliebenen öffentlichen Orte, die es noch in den Dörfern gibt. So fördert ihre Erhaltung auch das soziale Zusammengehörigkeitsgefühl von Dorfgemeinschaften. Intakte Denkmale sind zudem ein Standortfaktor und Denkmalpflege sichert als Wirtschaftsfaktor manchem kleinen und mittleren Handwersbetrieb das Überleben. Zu hoffen bleibt, dass mit der Bürgerstiftung der Sparkasse nicht nur Pflichtaufgaben des Landkreises erfüllt werden, sondern Projekte, die darüber hinaus gehen. "

Einig zeigten sich die Vertreter der Fördervereine darin, dass sie miteinander einen noch intensiveren Austausch anstreben sollten, um "als geballte Kraft" und nicht nur als Einzelkämpfer Gehör zu finden.

Jürgen von Chamier, der im Jahr 2000 zum ersten Mal die Fördervereine (damals gab es 18 statt heute 30) in Gollmitz zusammenführte, freute sich, dass die Probleme in der Zusammenkunft am Dienstagabend offen angesprochen wurden. Er selbst stand vielen Vereinen bei der Gründung zur Seite, nicht wenige orientierten sich an der "Mustersatzung" des Gollmitzer Vereins. Dieser schaffte es mit seinem Engagement, dass die Außensanierung der Gollmitzer Wehrirche (Sakristei) noch in diesem Jahr abgeschlossen werden kann, ab 2004 der Schwerpunkt auf dem Innenbereich liegen wird.

Als Verannstaltungsort für das nächste Treffen hat sich der Förderverein Vierraden angeboten. Landrat Schmitz stellte für kommendes Jahr eine Gesamtkonferenz zum Thema Stiftung in Aussicht

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