Größte Orgel Brandenburgs in Fürstenwalde

Fürstenwalde (MOZ) Es ist geschafft. Nach fünfjähriger Bauzeit ist die große Domorgel auf der West-Empore fertig gestellt. Damit verfügt Fürstenwalde, schon durch eine vor 1400 entstandene Orgelspieler-Figur in der Sakristei orgelgeschichtlich bedeutsam, über das imposanteste Instrument im Land Brandenburg.

Von Bettina Winkler

 Orgel in Fürstenwalde

Mit viel Fingerspitzengefühl und gutem Gehör geben die Orgelbauer Hartmut Beyer und Rolf Pietrusky von der Potsdamer Firma Schuke den Pfeifen der kürzlich eingebauten Register den richtigen Klangcharakter. Im Fachjargon heißt dies Intonieren. "Das nimmt viel Zeit in Anspruch", sagt Hartmut Beyer. "Schließlich ist die Domorgel nicht fertig, wenn alle 4386 Pfeifen eingebaut sind, sondern erst, wenn diese auch richtig klingen."

Immer wieder greift Beyers Kollege Rolf Pietrusky zu den Tasten der Klaviatur, um die Ventile zu öffnen, damit der jeweilige Ton erklingt. Mal hoch, dann wieder tief. Im Inneren des knapp elf Meter hohen Instrumentes biegt Hartmut Beyer geduldig das Messingplättchen, das in den Zungepfeifen durch Schwingungen den Ton hervorbringt. Klangfarbe, Lautstärke und Ansprechverhalten können so eingestellt werden. Diese Prozedur wird bis zu zehn Mal wiederholt, bis der Ton endlich stimmt.

"Die neue große Domorgel ist mit ihren 4386 Pfeifen und den 64 Registern das imposanteste Instrument in Brandenburg", freut sich Domkantor Georg Popp. Die größten Pfeifen sind 6,50 Meter lang, die kleinsten 6 Millimeter kurz.

Die Gottlieb-Scholtze-Orgel von 1772, erneuert 1910 durch die Firma Wilhelm Sauer, war wie der Dom in den letzten Apriltagen 1945 zerstört worden. Während das Gotteshaus nach 50-jähriger Aufbauarbeit 1995 wieder eingeweiht werden konnte, war die Orgelempore verwaist. Eine kleine transportable Orgel war lediglich Ersatz. 1998 erstand die Domgemeinde aus der Thomas-Kirche in Leipzig die 1966 erbaute Schuke-Orgel. Schuke-Mitarbeiter erweiterten sie zur heutigen großen Domorgel. Mit zahllosen Ideen hatte der Freundeskreis "Domorgel" unermüdlich Geld für die Königin der Instrumente gesammelt. Knapp 850 Orgel-Aktien, CDs als klingende Bausteine und die Aktion "1plus1" der Ostdeutschen Sparkassenstiftung Brandenburgs sowie der Dr. Meyer-Struckmann-Stiftung waren wesentliche Säulen der Finanzierung.

Fünf Jahre haben die Arbeiten an der Domorgel gedauert. Jetzt, in vollem Glanz, weiht sie Bischof Wolfgang Huber am Reformationstag im Gottesdienst um 10 Uhr ein.

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