Die Wunden sind nicht versteckt

Dorfkirche Niederjesar 
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Dorfkirche Niederjesar
 

Niederjesar (bk/MOZ) Nicht nur für die Christen im Pfarrsprengel Mallnow war gestern ein ganz besonderer Tag: Mit einem Festgottesdienst wurde die Kirche in Niederjesar nach langen Jahren des Wiederaufbaus eingeweiht. Sie soll künftig ein Haus der Begegnung sein das kirchliche Zentrum des Sprengels und der kommunale Treffpunkt für die Gemeinde.

Nach neuem Plan sei das Haus errichtet, sagte Generalsuperintendent Rolf Wischnath. Das Haus habe sich verändert, doch seine Geschichte sei weiterhin ablesbar. "Der Bau, wie wir ihn heute sehen, verbirgt seine Geschichte nicht. Auch das Neue versteckt nicht die alten Wunden." Sie zeigten den heutigen Generationen, was diesem Haus vor 56 Jahren geschehen sei.

Ein Lob für den Architekten, der eine wunderbare bauliche Synthese von Alt und Neu gefunden hat. So öffnet das rundum verglaste Dachgeschoss den Raum mit viel Licht.

Die Geschichte eines Hauses zu bewahren ist zugleich auch eine Reminiszenz an seine Vergangenheit. Deshalb blickte der Generalsuperintendent auch zurück auf die Anfänge. Einen ersten Hinweis auf eine mittelalterliche Feldsteinkirche finde sich in Niederjesar bereits 1294/96. Vor mehr als 600 Jahren. Rechne man wie die Historiker eine Generation mit 30 Jahren, so hätten über 20 Generationen mit diesem Haus bis heute zu tun gehabt. 1869 habe der kirchliche Baumeister Friedrich August Stüler mit seiner Handschrift der Kirche in Niederjesar ein neues Gesicht gegeben, habe ihr Chor, ein zweites Geschoss und einen weithin sichtbaren Turm hinzugefügt. Doch Letzterer wurde ihr zum Verhängnis. In den letzten Kriegswirren wurde er von der deutschen Wehrmacht gesprengt, damit seine spitze nicht der Roten Armee als Orientierung diene. 26 von 55 Kirchen im Seelower Kreis seien dem Krieg und der Zerstörung zum Opfer gefallen. Das Oderbruch sei wie keine andere Region vom Krieg gezeichnet und mit ihm seine Kirchen, erinnerte der Generalsuperintendent. Mitte der 90er Jahre sei der Wiederaufbau der Dorfkirche Niederjesar im Pfarrsprengel beschlossen worden. Als einen Akt der Solidarität wertete Rolf Wischnath den Verzicht der anderen Kirchengemeinden im Sprengel zugunsten von Niederjesar. Nach dem Wunsch des Gemeindekirchenrates soll die Kirche zum Schwerpunkt der Gemeindearbeit werden, zum Zentrum der kirchlichen und kommunalen Arbeit, betonte Rolf Wischnath, der sich für seine Festpredigt den Psalm 26 ausgesucht hatte: "Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt!"

Diese Kooperation von kirchlicher und kommunaler Gemeinde ist nicht neu im Landkreis. Beispiele gibt es auch für die Nutzung von Gotteshäusern in anderen Orten, wie in Müncheberg. Wie dort ist auch in Niederjesar ein Förderverein der Initiator und Motor für den Wiederaufbau. Fördermittel kamen aus Potsdam vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur, das aufgrund des Kirchenstaatsvertrages seit 1997 alljährlich 25 Kirchen beim Wiederaufbau finanziell unterstützt. In der letzten Etappe war es das Landesamt für Flurneuordnung und ländliche Entwicklung, dass rund 150.000 Euro bereitgestellt hat, um den Innenausbau der Kirche zu beenden. So gut wie. Denn neue Möbel fehlen noch. Die Ausgangskollekte zum Festgottesdienst diente bereits diesem schönen Zweck.

 

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