KREMMENER KIRCHE WIRD RESTAURIERT / NEUE MAUER FÜR BEETZER FRIEDHOF

Gerüste streben himmelwärts

WILHELM HÜLS

KREMMEN/BEETZ Altar und Kanzel in der Kremmener Kirche sind mit transparenter Folie verhüllt. Im Schiff streben Baugerüste himmelwärts. Oben hocken Männer und klopfen alte Farbschichten von den Wänden. Diese Arbeiten erinnern Pfarrer Matthias Corbach unweigerlich an ein weniger erfreuliches Ereignis vor neun Jahren. Und an dessen Folgen.

Es war in der Adventszeit: Ein Heizungskörper hatte sich überhitzt und die darüber befindliche Sitzbank aus Holz schwelte vor sich hin. Innerhalb weniger Stunden hatte der Ruß das Kircheninnere komplett geschwärzt.

Im Frühjahr 1995 kam wieder Farbe an die Wände, von Denkmalpflegern empfohlen und geprüft. Doch die Freude über den neuen, teuren Anstrich hielt nicht lange an. Bereits nach zwei Jahren blätterte es ringsum von den Wänden.

Die Ursache für dieses Übel ist inzwischen geklärt: Die Malerfirma hatte es damals sehr eilig und so wurde der speziell für die Kirchenwände gemixte Anstrich nicht so wie vorgeschrieben dreimal jeweils dünn aufgetragen, sondern als dicke Schicht mit einem Arbeitsgang erledigt. Aber die Klärung des Falls nützt der Kirchgemeinde heute nichts mehr, weil jegliche Ansprüche an die Malerfirma hinfällig sind.

Die Wände in der Kremmener Kirche sind bereits bis auf die blanken Ziegel freigelegt. Das soll so bleiben, erklärt der Kremmener Pfarrer.

Die Rippenbögen an der Decke werden rot abgesetzt, ansonsten ist nur weiße Kalkfarbe vorgesehen. Der Restaurator Jochen Hochsieder aus Heinrichsdorf und Mitarbeiter der Denkmalpflege Oranienburg betreuen fachmännisch die Arbeiten.

Auch gegenüber der Kirche im Gemeindehaus wird gebaut. Dort entstehen neue Toiletten und ein Schuppen wird zum Heizungsraum umfunktioniert. Im Obergeschoss des Gemeindehauses wurde ein Durchbruch zum hinteren Gebäudeteil gestemmt, wo später mal das Archiv Platz finden soll. Im Gemeinderaum hat Baustellenleiter Detlef Frank von der Beag Berlin sein Büro. Die Beag beschäftigt ausschließlich ABM-Kräfte. Das sind 16 Männer und Frauen aus Kremmen und umliegenden Dörfern. Frank geht davon aus, dass die alte Farbe in der Kirche bis Anfang Dezember von den Wänden ist. Danach wird alles gründlich gespachtelt und anschließend können die Mitarbeiter der Beag mit dem Kalkanstrich beginnen. Zu Ostern soll alles fertig sein.

Die dritte Kirchen-Baustelle liegt zwei Dörfer weiter in Beetz, genau gesagt am Gottesacker. Dort wird die insgesamt 89 Meter lange Friedhofsmauer erneuert, weil die alten Ziegel allmählich zerbröseln. In den Abschnitten, wo der Zerfall sich nicht aufhalten lässt, setzten die ABM-Maurer die Mauer neu auf.

Wenn die Witterung mitspielt, dürfte die neue ziegelrote Mauer in einigen Wochen fertig sein. Bei der Gelegenheit bekommt der Friedhof gleich ein schmiedeeisernes Tor, das vom Beetzer Schlossermeisters Peter Schilling angefertigt wird.

Noch sind Kremmen und Beetz-Sommerfeld separate Kirchengemeinden. Ab Dezember werden sie zu einem Pfarrsprengel zusammengelegt. Dann wird Thomas Triebler, jetzt Pastor für Beetz und Sommerfeld, auch für Kremmen zuständig sein. Pfarrer Corbach geht in den Ruhestand.

Pastor Triebler gibt zu, dass mit dem Einsatz der ABM-Firma für die aufwändigen Kirchearbeiten dem so genannten ersten Arbeitsmarkt ein großer Auftrag weggeschnappt worden sei. Aber eine Malerfirma könne sich die Kirche finanziell nicht leisten, so Triebler.

Alles in allem kosten die drei Baumaßnahmen 390 000 Euro. Davon tragen das Arbeitsamt 304 000 Euro und die Weiterbildungsagentur Lasa 8000 Euro. Für die beiden Kirchengemeinden fallen ingesamt 78 000 Euro an. Dass allein die Restaurierung des Kircheninneren mit etwa 50 000 Euro zu Buche schlagen wird, darin sind sich die beiden Pastoren einig.

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