Ein Mekka für Restauratoren

Kirchenausmalung wird freigelegt

ANNETT LAHN

PARETZ "Für Restauratoren ist die Kirche besonders spannend, weil hier soviel erhalten ist. Sie ist das früheste Beispiel neogotischer Bauten in Brandenburg", sagte Thomas Tapp, Restaurator der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg.

Auch um seinen Erläuterungen zu lauschen, nutzten hunderte Gäste am Sonntag den "Tag des offenen Denkmals" für einen informativen Spaziergang durch die preußische Mustersiedlung.

Äußerlich ist die Paretzer Dorfkirche nach ihrer Wiederherstellung 2005 wieder ein Schmuckstück. Nur innen hat sich bislang wenig getan. "Das Ziel der Evangelischen Kirchengemeinde Paretz ist es nun, den Innenraum der Kirche auf historischer Grundlage bis zum 200. Sterbetag der Königin Luise im Jahre 2010 zu restaurieren", so Hans-Wolfgang Keil, Baubeauftragter des Gemeindekirchenrates. Die Bauarbeiten werden ausschließlich durch Spendengelder finanziert. Noch 2006 werde mit der Erneuerung der Königsloge begonnen. Dort hat Restaurator Thomas Tapp seinen Posten bezogen. Für die Stiftung betreut er das Restaurierungsprojekt. Er erläuterte, wie die zum Teil sichtbare Originalausmalung von 1797 vollständig freigelegt wird. Dabei werde der Putz vorsichtig abgekratzt. Stück für Stück komme darunter schließlich die neogotische Ausmalung zum Vorschein. Das Besondere am Paretzer Gotteshaus sei auch, dass hier ein Königspaar die Messen einer schlichten Dorfkirche besucht habe.

Als 1797 das Gut Paretz vom Kronprinzen Friedrich Wilhelm III. und seiner Gemahlin Luise von Mecklenburg-Strehlitz gekauft wurde, hatte das preußische Königshaus keine Verfügungsgewalt über die kleine Kirche. Da das Königshaus die Umbaukosten übernehmen wollte, einigte man sich aber mit dem Domkapitel. Bedingung war, dass die Neugestaltung nach den Wünschen des Hofes erfolgte.

Die Besucher Simone Richter und Julian Probst aus Berlin unternahmen vor zehn Jahren zuletzt einen Ausflug in das kleine Paretz. Den mit leuchtenden Kürbissen und herbstlichen Gestecken gestaltete Kirchenraum fanden sie hinreißend. "Wir sind verblüfft über die Entwicklung des Ortes. Schon bei unserem ersten Besuch hielten wir die Kirche für einen Schatz. Schön, dass sie dem Verfall nicht mehr preisgegeben ist."

Die Paretzer Kirche ist täglich geöffnet.

Märkische Allgemeine vom 12. September 2006

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