Wesendahler Kirche: Ein großartiges Werk

Dorfkirche Wesendahl

Altlandsberg (MOZ) Mit einem festlichen Gottesdienst ist im Altlandsberger Ortsteil Wesendahl das wiederhergestellte Kirchenschiff in Besitz genommen worden. Die Gründung eines Fördervereins vor gut vier Jahren war Ausgangspunkt eines großartigen Kraftaktes, der das älteste Bauwerk des Dorfes für die Zukunft bewahren soll.

Zum Schluss ist die Kirche voll besetzt. Pfarrer Johannes Menard registriert es mit ebensolcher Freude wie Uwe Sack, der Vorsitzende des Fördervereins.

Die 96 als Relikte des Palastes der Republik bekannt gewordenen Stühle sind gleichermaßen Zählfaktor wie Zeichen für viele ungewöhnliche Ideen von engagierten Menschen. Über welche Stationen sie hierher fanden und wie sie von der beherzten Mutter des Vereinsvorsitzenden Vera Sack erworben wurden, das ist ein Teil der Odyssee der Wesendahler Kirche.

Tags zuvor haben Vereinschef, Ortsbürgermeister, Wehrführer und andere die Stühle in das geräumige Kirchenschiff getragen. Dorthin, wo vor vier Jahren noch eine ruinöse Lücke zwischen Chor und Turm klaffte, Gras den Boden bedeckte und Birken aus den Wänden wuchsen. Dorthin, wo vor zwei Jahren die wie von Riesenzähnen benagte Mauerabdeckung gerade ordentlich wieder hochgezogen worden war. Dorthin, wo im Winterhalbjahr 2004/05 ein Dachstuhl gewachsen, eine Decke eingezogen, ein dichtes Dach aufgebracht worden war. Dorthin, wo sensibel nachempfundene Kirchenfenster aus Antikglas mit rubinrotem Rand das Sonnenlicht auf hell getünchte Feldsteinwände fallen lassen.

Das ist so dank einer fixen Idee des Fredersdorfers Uwe Sack. Dank eines begierig angenommenen Gedankens zur Gründung eines Fördervereins und seiner engagiert tätigen kleinen Mitgliederschar aus Neubürgern, Alteingesessenen und Fremdlingen. Dank einer ziemlichen Sponsorenschar, die den Spendengedanken Realität werden ließ und nun im Kirchenschiff an einer Wand verewigt ist. Dank Ortsvätern, die das "Kopfgeld" aus der Gemeindefusion hier fest anlegten - für nochmals 750 Jahre.

Das ist so dank eines in Kirchensanierungen erfahrenen Architekten Klaus Schaffrick und dank solider Handwerkerarbeit unterschiedlichster Firmen. In die haben sich auch alte Wesendahler Gemeindemitglieder eingemischt wie Walter Böhm oder Horst Laubach - als Schlosser, als Tischler. Oder wie Ingeborg Laubach, die saubermachte und eine Altardecke nähte. Sie hat ihren Horst nach dem Krieg in dieser Kirche geheiratet. Bevor manche Bürger in Ermangelung von Baumate­rial ihre Gehöfte einst mit Steinen vom Gotteshaus stabilisierten.

"Noch nie bin ich vom Turm her zum Gottesdienst gekommen", gesteht der Pfarrer und begrüßt die Festgemeinde scherzhaft mit "Parteigenossen". Dass es sich gut auf dem Gestühl aus dem Volkskammersaal sitzt, merken die Anwesenden, als es Blumen gibt und herzliche Dankesworte und viele nach vorn kommen sollen. Ein adäquates Kirchengestühl wird noch warten müssen. Jetzt ist erst einmal der Kirchturm dran, lässt Uwe Sack verlauten. "Es ist der Augenblick, zu sagen: Wir machen weiter.

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