Vermuteter Görzker Goldschatz nicht gefunden

Dokumente und DDR-Pfennige in der Kugel / Kirchturm-Sanierung abgeschlossen

GUNNAR NEUBERT

GÖRZKE Der Kirchturm kann sich wieder sehen lassen. Seine Mauern sind mit zwei Zugankern gesichert, die Risse und Fugen im Gemäuer verschlossen, das Dach repariert, die Schall-Luken erneuert. An beiden Ziffernblättern lässt sich die Zeit wieder ablesen und der Haltepfosten für Wetterfahne, Kreuz und Kugel ist wieder standfest. Die Sanierung ist abgeschlossen und Pfarrerin Jana Büttner plant nun einen Festgottesdienst.

„Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden, wenn auch das Geld für ein neues Dach nicht gereicht hat“, bilanziert die Geistliche. Ansonsten hat es einen reibungslosen Bauablauf gegeben. Die Kirchengemeinde, die Untere Denkmalschutzbehörde, das Architektenbüro Fleege und Oeser aus Brandenburg, die Restaurierungen Magdeburg GmbH, Dachdecker Ulf Krone aus Görzke, Baupflegerin Heidi Krüger aus Burg und das Bauamt Ziesar haben gut zusammengearbeitet. Für die Sanierungsarbeiten wurden mehr als 100 000 Euro aufgewendet. „Die genaue Summe liegt noch nicht vor. Die Endabrechnung steht noch aus“, sagte Büttner. Das Geld kam im Wesentlichen aus dem Förderprogramm der Städtebauförderung und von der Kirchenprovinz Sachsen. Einen Zuschuss gewährte der Kirchenkreis Elbe-Fläming, zudem gab es eine Reihe von Spenden aus der Kirchengemeinde und darüber hinaus. Sehr hilfreich war schließlich eine Spende der Sparkassen-Stiftung. Sie ermöglichte es, die acht Schall-Luken erneuern zu lassen. Zudem sind Reparaturen am Turmdach möglich geworden und die beiden verwitterten Ziffernblätter der Uhr können ersetzt werden. Nicht zuletzt konnte auch der Haltepfosten mit Wetterfahne so hergerichtet werden, dass sie sich wieder in den Wind dreht.

Bei letztgenannten Arbeiten wurde ein Geheimnis gelüftet. In der Kugel, die ebenfalls am Haltepfosten befestigt war, befand sich – wie immer vermutet – kein Goldschatz. Stattdessen fand man eine Kupferhülse, die Aufzeichnungen zum Leben der Görzker im Jahr 1852, ein Schriftstück aus dem Jahre 1972 und ein Fünf-Pfennig-Stück der DDR enthielt. Dieses Dokument samt Münze war bei Dachreparaturen nach Blitzschlag durch ein Einschussloch aus dem Krieg gesteckt worden. „Kurz vor dem Aussterben des privaten Handwerks haben die Dachdecker Albrecht und Kube das Dach neu gedeckt“, stand auf dem Zettel.

Die jetzige Kugel auf dem Kirchturmdach wurde neu angefertigt, so dass weitere Dokumente beigelegt werden konnten. Dazu verfasste die Pfarrerin ein Schreiben, in dem die Sanierungsarbeiten beschrieben und das politische und kirchliche Geschehen der vergangenen 150 Jahre zusammengefasst wurden.

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