Schwamm lähmt rettende Hände

Kirchmöser: Deckenreinigung wird teurer

Zwei Kohlekumpel schmücken den Altar der Kirche in Kirchmöser-Dorf. Doch nein, es sind Putten, die über den Köpfen der Gottesdienstbesucher schweben. Die blonden Locken und rosa Bäckchen hat schon lange niemand mehr in voller Pracht zu Gesicht bekommen, denn die übergewichtigen Knäblein sind ganz und gar mit einer über die Jahrzehnte gewachsenen Schmutzschicht bedeckt.

Farben sind kaum zu erkennen. Auf der einst purpurnen Leiste über dem Gitterwerk des Altars schimmern Reste goldener Lettern. "4800 Euro soll es kosten, den Altar zu restaurieren", sagt Pfarrer Friedrich Teubner. Seit Jahren sorgt er sich um die Dorfkirche. Einst wegen akuter Nässe- und Schimmelschäden als "grüne Gruft" bespöttelt, hat das Haus in Teubners Amtszeit einige Kuren erfahren. Das Dach ist dicht, das Gemäuer trockener denn je, die muffige Kellerluft verduftet.

 Ausguck nach Sponsoren

Seit einem Jahr sammelt der Pfarrer nun Spenden für die Restaurierung der Holzdecke. Sie wurde Anfang der 30er- Jahre mit einfacher Ornamentmalerei verziert. 400 Euro kostet die Erneuerung pro Feld. Für 15 der 105 Kassetten haben sich inzwischen Retter gefunden. "Einige Leute schließen sich zusammen und kaufen ein Feld", sagt Teubner. Einzelne Gönner erwerben gleich mehrere.

"Wir haben zuversichtlich mit den ersten Arbeiten begonnen", so der Pfarrer. Doch die Restauratoren stießen auf den Feind aller Gebäude, den Hausschwamm. Braun und morsch war das Holz an der Südseite der Decke. Der zerstörerische Pilz hatte sich auch über den gewaltigen Balken der Mauerlatte hergemacht. Die Bretter von acht Kassetten mussten komplett ausgetauscht werden. Den Balken haben die Zimmerleute abgebeilt.

20000 Euro hat es gekostet, den Schwamm zurückzudrängen. Ob der Nimmersatt auch in den übrigen Ecken und entlang der Mauerlatte lauert, ist ungewiss, sei laut Fachmann jedoch wahrscheinlich. Die Aufarbeitung der Decke sei dann erheblich aufwendiger und kostspieliger.

In fünf Jahren geht Teubner in den Ruhestand. Bis dahin will er Schwamm oder nicht Schwamm helle Kassetten über den Kirchenbänken sehen. Er hat nun angesichts der Schwammschwemme eine Lösung ausgeknobelt, wie das Dekor der Decke vielleicht doch zu bewahren sei, ohne den Finanzrahmen zu sprengen. Die Restauratoren, so die Idee, könnten sich zuerst der noch nicht befallenen zentralen Felder annehmen.

Sponsoren sind hochwillkommen. "Jeder, der bis jetzt gespendet hat, hat dies nicht umsonst getan", so Teubner. Unterstützer des Projekts melden sich unter Tel.03381/ 800302 oder überweisen direkt auf das Konto 8240370 bei der Brandenburger Bank, Bankleitzahl 16062073, Kennwort: Kirchendecke. nf

Märkische Allgemeine vom 14. September 2006

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