LETZTER GOTTESDIENST VOR DER UMSIEDLUNG / GENERALSUPERINTENDENT ENGEL: HORNOER ZWISCHEN AUFBRUCH UND NEUBEGINN

Bewegender Abschied von der alten Dorfkirche in Horno

BEOWULF KAYSER

HORNO Mit dem letzten Gottesdienst haben sich die Bürger von Horno (Spree-Neiße) am Sonntag von ihrer Dorfkirche verabschiedet. Das Dorf soll in Kürze den Braunkohlebaggern des Energiekonzerns Vattenfall weichen. Bis Weihnachten sollen die letzten der 220 Einwohner nach Forst-Eulo umsiedeln und in die zum größten Teil fertig gestellten 64 Häuser ziehen.

Die 13 Tonnen schwere Kirchturmkuppel, einst Wahrzeichen des leidgeprüften Ortes, wurde bereits Anfang August in das neue Horno gebracht. Das einstige Wahrzeichen des über 500 Jahre alten Gotteshauses soll als Haube auf die neue Kirche aufgesetzt werden. Auch der 3,80 Meter hohe Barock-Altar, der historische Kanzelkorb sowie die acht Emporentafeln mit den Psalmensprüchen und das alte Taufbecken werden in der neuen Hornoer Kirche wieder aufgestellt. Sie soll am zweiten Weihnachtsfeiertag vom Bischof der Berlin-Brandenburger Kirche, Wolfgang Huber, am neuen Standort eingeweiht werden.

Im Anschluss an die gestrige Feier, an der rund 200 Einwohner teilnahmen, wurden Kirche und Friedhof durch den Superintendenten des Kirchenkreises Cottbus, Matthias Blume, endgültig geschlossen. Die Toten - wie auch die über 60 Soldatengräber - werden auf den neuen Friedhof in Forst-Eulo umgebettet.

Die seit neun Jahren in der Kirchengemeinde Horno tätige Pfarrerin Dagmar Wellenbrink verglich die schwierige Situation des Dorfes in ihrer Predigt mit dem Untergang der "Titanic". "Einige wachsen jetzt über sich selbst hinaus und wollen Verantwortung für die ganze Dorfgemeinschaft übernehmen. Einige schreien oder klammern sich fest. Die Nerven vor dem Weggang aus dem geliebten Heimatdorf liegen blank", sagte die 58-jährige Seelsorgerin mit ergriffener Stimme. Sie machte allen in der überfüllten Kirche Mut, dass sie dennoch mit Gottes und ihrer Hilfe wohlbehalten im neuen Horno ankommen werden.

Die Worte der von der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in das sich seit Anfang 1990 gegen die Abbaggerung wehrende Dorf gezogene Pastorin wurden wiederholt durch lautes Schluchzen unterbrochen. Viele Jugendliche ritzten ihre Initialen zum Abschied in die jahrhundertealten Rücklehnen der Kirchenbänke. Jeder erhielt zum Schluss einen Engel als Symbol des Aufbruchs. "Die Hornoer stehen jetzt zwischen Aufbruch und Neubeginn", sagte der Cottbuser Superintendent Matthias Blume. Sie zahlen einen hohen Preis für diejenigen, die in der Kohle noch Arbeit haben.

Mit der Fürbitte "Vater unser Segen" schloss der Superintendent das Gotteshaus und den Friedhof. Zum letzten Mal erklang das Kirchengeläut in der kleinen Dorfkirche. Es wurde elektronisch über eine CD in das Gotteshaus eingespielt, weil die beiden Hornoer Glocken gegenwärtig im Kunstguss Lauchhammer restauriert werden. Am neuen Standort in Forst-Eulo soll eine dritte Glocke, die am 10. Oktober gegossen wird, das Geläut ergänzen und zu den Gottesdiensten rufen.

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