Engagement dringend nötig

Sanierungsbedarf für 180 000 Euro an und in Lübnitzer Kirche festgestellt

ANDREAS KOSKA

LÜBNITZ Von außen scheint noch alles in Ordnung. Die Dorfkirche, ein schmucker Feldsteinbau aus dem 13. Jahrhundert, ist allerdings dringend sanierungsbedürftig.

An dem Gotteshaus selbst muss die Dacheindeckung erneuert werden und eine Balkensanierung steht ins Haus. Auch am 300 Jahre jüngeren Turm sind Schäden festgestellt worden. Das Gutachten der Firma ibs aus Dahlewitz-Hoppegarten mit Zweigstelle in Treuenbrietzen, hat die Renovierungskosten mit mehr als 180 000 Euro beziffert.

"Eine Sanierung in dieser Größenordnung kann von der St.-Marien-Gemeinde nicht geschultert werden" betont der Pfarrer Klaus-Gerhard Reichenheim aus Belzig. Neben jener in Lübnitz gehören noch sieben weitere Dorfkirchen und die beiden Stadtkirchen zur Gemeinde. Die Problematik ähnelt der in Werbig, wo nun am 19. Januar ein Förderverein gegründet worden ist, um das ortsbildprägende Sakralgebäude zu retten. Dadurch, so die Hoffnungen vor Ort, können weitere Finanzierungsmöglichkeiten erschlossen werden. Ob dieses in Lübnitz ebenfalls gelingt, ist noch nicht sicher. Erste Ansätze für solche Initiativen sind allerdings erkennbar. Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg hat immerhin - unter Schirmherrschaft von Bischof Wolfgang Huber und Ministerin Johanna Wanka (CDU) - einmal mehr für fünf Initiativen, die just zu diesem Zweck zwischen Januar 2005 und April 2007 gegründet worden sind bzw. werden, die Unterstützung mit einem Startkapital von 2500 Euro angekündigt. Sie müssen - nicht zwingend als eingetragener Verein - nachweisen, dass sie den Erhalt der örtlichen Kirche zu ihrem Ziel erklärt haben und entsprechend aktiv sind, beispielsweise Konzerte und Feste organisieren.

Vor Ort besteht eine noch vage Hoffnung, dass die Nachkommen derer von Lochow-Lübnitz einem Förderverein beitreten könnten. Christian Bonte-Friedheim, einer dieser Nachkommen der Patronatsfamilie, engagiert sich seit langem schon in der Region. In der Kur- und Kreisstadt ist er Mitglied im Förderverein für das Roger-Loewig-Museum und in Brandenburg/Havel hat er die Restaurierung des Wappens seiner Familie am Dom finanziell unterstützt. Christian Bonte-Friedheim ist einer der führenden deutschen Agrarwissenschaftler und war über 20 Jahre der stellvertretende Direktor der Welternährungsorganisation der Uno (FAO).

"Ein Förderverein könnte Spenden einwerben und eine Erweiterung der Nutzung konzeptionell vorbereiten", hofft Klaus-Gerhard Reichenheim und ergänzt: "Konzerte und Ausstellungen wären auch hier denkbar."

Schließlich gibt es im Inneren der Lübnitzer Dorfkirche auch einiges zu tun. Zumindest ein neuer Anstrich ist fällig. Im Augenblick wird eine Farbanalyse erstellt. Der aufzubringende Farbton muss dann mit der Denkmalpflege abgestimmt werden. Die Kanzel und die Patronatsloge haben schon einen hellgrauen Anstrich erhalten. Ob dieser für die ganze Kirche übernommen werden kann, muss die Prüfung zeigen.

"Zum Glück sind die anderen Dorfkirchen im guten baulichen Zustand", resümiert der Pfarrer. "In Borne wurde die Restaurierung abgeschlossen. In Benken, Bergholz, Kuhlowitz und Preußnitz ist alles in Ordnung", bilanziert er erleichtert.

Märkische Allgemeine vom 07. Februar 2007

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