Voller Klang im ganzen Gotteshaus

Einweihung der neuen Orgel in Werneuchen 
Einweihung der neuen Orgel in Werneuchen

Werneuchen (fos/MOZ) Für Werneuchen ist an diesem Wochenende mit der offiziellen Einweihung der neuen Kirchenorgel eine lange Zeit zu Ende gegangen, in der an Kirchenkonzerte mit eigener Orgel nicht zu denken war. Ermöglicht wurde die Anschaffung der Orgel durch Spenden von Privatpersonen, Unternehmen und Einrichtungen aus Werneuchen und umliegenden Orten. Da es sich um eine digitale und keine traditionelle Pfeifenorgel handelt, wurde mit Spannung erwartet, wie das neue Instrument in dem großen Kirchenraum klingen wird. Das Votum von Margot Lehmann stand für viele: "Die Orgel ist eine schöne Bereicherung für unsere Stadt."

Viele Besucher - obwohl an diesem Tag noch ein zweites Konzert stattfand - waren in die Stadtkirche Sankt Michael gekommen, um das Einweihungskonzert mitzuerleben. Über das große Interesse freute sich besonders Pfarrer Thomas Brilla. Ende des Zweiten Weltkriegs war die große Orgel der Kirche durch eine Granate, die ein Kirchenfenster durchschlagen hatte, zerstört worden. Zwar versah in der Vergangenheit ein kleines Instrument getreu seine Dienste, doch einen Vergleich mit einer Kirchenorgel konnte es allein schon wegen seiner Größe nicht eingehen.

12000 Euro wurden für die Anschaffung der digitalen Orgel gesammelt. "Wir haben uns über jede Spende gefreut, ob groß oder klein, jeder Euro hat zum Erfolg beigetragen. Allen Spendern sei dafür herzlich gedankt", sagte Pastor Brilla. Einige von ihnen dürfen sich noch über einen Rundflug freuen, denn unter allen Spendern wurden drei dieser Flüge verlost.

In den zurückliegenden Monaten und Jahren hatte die Kirchengemeinde verschiedene Möglichkeiten durchgespielt, um zu einer neuen Kirchenorgel zu kommen. Der Kauf einer mechanischen Pfeifenorgel - auch wenn es sich um ein gebrauchtes Instrument handelt - wäre jedoch ungleich teurer geworden, so dass noch lange Zeit weitere Spenden für eine solche Variante hätten gesammelt werden müssen. So hätte es aktuell gerade die Möglichkeit gegeben, eine gebrauchte Orgel zu erwerben - für rund 50000 Euro, wie Pastor Brilla berichtete.

Wichtige Impulse bei der Auswahl eines Instruments habe die Sankt-Annen-Gemeinde in Zepernick gegeben. Denn die Entscheidung in Werneuchen fiel schließlich zu Gunsten einer Ahlborn-Orgel, einem renommierten digitalen Orgelbauer aus Süddeutschland. Auch in Zepernick steht ein Instrument dieses Unternehmens.

Die Werneuchener Orgel, eine Preludium 4D, ist für mittelgroße Kirchen entwickelt worden. Sie hat zwei Manuale und ein Fußpedal, verfügt über 32 Register und 16 Zusatzregister. Sie wurde auf der Empore aufgestellt, wobei zur Aufstellung der Boxen eine akustische Anpassung erfolgte. Konzertbesucher Jürgen Mews, ebenfalls aus Werneuchen, ist von dem Ergebnis angetan: "Die Orgel füllt den Kirchenraum sehr gut aus. Wenn man es nicht weiß, ahnt man nicht, dass es keine Pfeifenorgel ist."

Was auf der Empore noch fehlt, um den Eindruck perfekt zu machen, ist eigentlich nur noch ein Pfeifenprospekt. "Aber vielleicht", so Pastor Brilla, "kann ja ein solcher noch einmal nachträglich aufgestellt werden." Zunächst einmal ist es ihm wichtig, dass nun Kirchenkonzerte mit der Orgel und weiteren Instrumenten wie Trompete, Flöte oder auch Gesang stattfinden können. Und noch etwas: Zur Liedbegleitung während des Gottesdienstes kann das Instrument programmiert werden, so dass auch dann Orgelspiel erklingt, wenn kein Organist zur Verfügung steht.

Auch Kantor Harald Blaschke schätzte das neue Instrument. Ältere digitale Orgeln hätten im Vergleich zu den mechanischen Instrumenten oft einen ungemein leichten Tastengang gehabt. Auch in diesem Punkt hätten die Hersteller die digitalen an die Pfeifenorgeln angepasst.

Neue Angebote hält Werneuchens Bürgermeister Burkhard Horn für möglich. "Vielleicht können ja auch Jugendliche für die Musik begeistert werden", hofft er. Dabei denkt er weniger an klassische Kirchenmusik als Einstieg, aber die vielfältigen Möglichkeiten eines modernen Instrumentes könnten auch in dieser Richtung genutzt werden.

Märkische Oderzeitung vom 22. April 2007

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