Bedrohtes Denkmal

Publikation wirbt für die Sanierung der Marienkirche

UWE KLEMENS

DAHME "Diese Kirche birgt unglaubliche Schätze", sagt Susanne Zengeler und zeigt mit ausgestrecktem Arm einmal durchs Kirchenschiff. Am vergangenen Sonntag luden die Architektin und Dahmes Pfarrer Stephan Magirius zu einem ungewöhnlichen Termin in die Marienkirche. "Denkmal in Not" heißt eine Serie von Publikationen, mit deren Hilfe auf den drohenden Verfall von Kirchen und damit unwiederbringlichen Verlust von Kulturgut hingewiesen werden soll. Auch die Kirche Sankt Marien gehört auf die Liste derart bedrohter Häuser. Die jüngste, am Sonntag vorgestellte Ausgabe der Publikationsreihe ist ihr gewidmet.

Was sich dem Laien beim Rundumblick im Gotteshaus nur ansatzweise an Schäden offenbart, lässt dem Fachmann schon lange die Haare zu Berge stehen. Die größten Schäden sind jedoch im Turmgebälk zu finden, das der Besucher ohnehin kaum zu Gesicht bekommt. Denn die vor Jahrhunderten erbaute Fachwerkkonstruktion ist an vielen Stellen verfault. Was unsere Vorväter beim Bau nicht wussten: Lässt man keine Luft ans Gebälk, ist es verloren. "Von der Vorderseite sehen die Balken noch gut aus. Fährt man mit der Hand dahinter, ist nichts mehr da", schildert Stephan Magirius den katastrophalen Zustand. "Ja er lebt noch . . . nicht der Holzmichl, aber der Hausschwamm", fügt er hinzu, um das ganze Ausmaß der Schädigung anzudeuten. "Für meine Kirche habe ich was übrig", hieß eine im vergangenen Jahr von Magirius ins Leben gerufene Spendenaktion. 6000 Euro kamen zusammen. "Recht ordentlich", wie der Pfarrer meint, aber leider lange nicht genug. Dank eines Fördermix aus staatlichen, kommunalen und kirchlichen Geldern wurde die Summe inzwischen auf 200 000 Euro aufgestockt. Vorsichtig geschätzt könnte das für die Sanierung des Turmes reichen. Völlig unklar ist hierbei jedoch die Technologie der Balkenauswechslung, ohne dabei die Außenhaut zu zerstören.

Optimistisch ist Magirius, dass sich weiterhin Mittel für die geplante Sanierung des Kircheninnenraumes, vor allem der Deckenkonstruktion, organisieren lassen. Einen kleinen Anteil daran könnte der Verkaufserlös des Heftes haben, das es ab sofort für zehn Euro im Kirchenbüro gibt. Mit einer Chronologie des Kirchenbaus, einer Abhandlung über die Bedeutung dieser Kirche, Ausflügen in die Dahmer Stadtgeschichte und mehr wird der Leser dafür belohnt.

Märkische Allgemeine vom 24. April 2007

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