Königsloge wieder wie einst

Besucher aus nah und fern besichtigten Kleinod der Dorfkirche Paretz

ANNETT LAHN

PARETZ Dem oft vernachlässigten Loben, Danken, Bitten und Erinnern diente gestern ein Dankgottesdienst in der Paretzer Kirche. Zahlreiche Besucher würdigten im voll besetzten Gotteshaus die Restauration der freigelegten Originalausmalungen von 1797 in der Loge des preußischen Königspaares Friedrich Wilhelm III. und seiner Gemahlin Luise. Diese residierte gestern vor 197 Jahren zum letzten Mal in ihrem Sommersitz.

Seit zwei Jahren ist die Dorfkirche äußerlich bereits wieder ein Schmuckstück und neben dem Schloss zweiter Anziehungspunkt im Ort. Stück für Stück ging es seit Ende 2006 innen voran. Und da nicht jede Dorfkirche über eine 210 Jahre alte Königsloge verfügt, wurde an dieser mit der Sanierung begonnen. "Mit ihrer Neugestaltung erhoffen wir uns mehr Aufmerksamkeit von Förderern und Sponsoren für die noch ausstehende Erneuerung des Kirchenschiffes", sagte Ingeborg Keil, die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates. Sie freute sich, dass die Zeiten, in denen die Forderungen, Wünsche und Meinungen einer Vielzahl von Gremien und Behörden den Mitgliedern des Gemeindekirchenrates schlaflose Nächte bereiteten, nun erst einmal vorbei sind. Kaum eine helfende Hand blieb unerwähnt. Ihr Dankeschön galt den Restauratorinnen ebenso wie den fachlichen Betreuern von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten sowie vom Landesamt für Denkmalpflege. "In den vergangenen Jahren haben wir die Erfahrung gemacht, dass es in Brandenburg nicht schwierig ist, denkmalpflegerisch geschulte Handwerksbetriebe und gute Restauratoren zu finden."

Nach dem feierlichen vom Ketziner Pfarrer Thomas Zastrow gehaltenen Festgottesdienst erklärten die Fachleute den Besuchern ihre Arbeit in der Enge der Königsloge. In dem einer gotischen Kapelle nachempfundenen kleinen Raum hatten sie an der Ost- und Südwand die Wandbilder von David Gilly schonend freigelegt. "Dabei trennte man die zwar sehr dünn aufgetragene aber fest haftende, zementhaltige Putzschicht mit Ultraschall-Meißel und Skalpell von der empfindlichen Kalkfarbenmalerei. Fehlstellen in der Malschicht wurden im Umgebungsfarbton ausretuschiert", erklärte Thomas Tapp von der Stiftung Preußische Schlösser.

Viele Besucher interessierten sich aber auch für den Fortgang der Rekonstruktion und erfuhren von dem ehrgeizigen Ziel der Kirchengemeinde, den gesamten Innenraum bis zum 200. Sterbetag von Königin Luise im Jahr 2010 wieder herzustellen. Das notwendige Geld komme allein aus Spenden.

Märkische Allgemeine vom 21. Mai 2007

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