Ungewöhnliche Motive ausgewählt

Lennewitzer Kirche besitzt wertvolle Glasfenster aus der Werkstatt von Linnemann

WOLFRAM HENNIES

LENNEWITZ Das kleine Dorf Lennewitz (Amt Bad Wilsnack-Weisen) besitzt eine sehenswerte Jugendstilkirche. In ihren Fenstern sind einzigartige Glasmalereien zu sehen, die von der Glasmalereiwerkstatt Linnemann aus Frankfurt/Main hergestellt wurden. Diese werden in der großformatigen, 96 Seiten umfassenden, reich bebilderten Broschüre Offene Kirchen 2007 - Brandenburgische Kirchen laden ein" in einem Beitrag von Bettina Schüpke vorgestellt.

In der Prignitz gibt es noch weitere Linnemann-Werke in der Kyritzer Stadtkirche, die Fenster in der Pritzwalker Kirche gingen verloren. Die Werke des Glasmalereiateliers Linnemann stellen eine bedeutende Kunstgattung der Zeit um 1900 dar. Die Autorin schreibt: "Die Glasmalereien in der 1910 erbauten Saalkirche mit halbrunder Apsis, kassettierter Holztonnendecke und kleiner Taufkapelle auf der Nordseite zeigen zum einen die enge Verbindung zur brandenburgischen Religionsgeschichte und zum anderen einen sehr regionalen Bezug zu den Einwohnern von Lennewitz, den Erbauern der Kirche."

Keine Szenen aus dem Leben Jesu

In diesem Fall entwarf Otto Linnemann auf Wunsch des Pfarrers zwei Chorfenster, die nicht der sonst gängigen Ikonographie von Chorfenstern in evangelischen Kirchen folgen, denn üblicherweise kommen dort nur Szenen aus dem Leben Jesu zur Darstellung. Ein Fenster zeigt die Taufe des letzten Wendenfürsten, das andere das protestantische Abendmahl von 1539, empfangen vom brandenburgischen Kurfürsten Joachim II.

Die Fenster zeichnen sich durch tieffarbige Gläser aus, wobei die Komposition durch die zeichnerische Wirkung der Bleiruten betont wird. In den großen Rundbogenfenstern im Hauptschiff entstehen durch den Verlauf der Bleiruten kreuzförmig angeordnete Medaillonfelder. Die Darstellungen in den wappenähnlichen Medaillons beziehen sich auf die aufgeführten Namen, die an die Vorfahren der ansässigen Bauern erinnern sollen. Die entsprechenden Medaillons wurden von den Nachkommen der Dargestellten gestiftet.

Individuelle Formenssprache

Bettina Schüpke stellt abschließend fest: "Der Erfolg der Werke des Ateliers Linnemann lässt sich darauf zurückführen, dass es der Werkstatt gelang, den künstlerischen Eigenwert des Fensters zu betonen, es in die Architektur einzufügen und bei jedem Objekt eine individuelle Formensprache und Farbenstimmung zu finden."

Die vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg herausgegebene Broschüre liegt in vielen Prignitzer Kirchen aus. Sie kann dort für 3,50 Euro erworben werden.

Märkische Allgemeine vom 28. Juni 2007

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