Grüße aus vergangenen Tagen

Dahmer Kirchturmkugel birgt erstaunliche Zeitdokumente aus dem 19. Jahrhundert

UWE KLEMENS

Dachklempner Detlef Fuchs (l.) holte die Metallkapsel aus der Turmkugel 
Dachklempner Detlef Fuchs (l.) holte die Metallkapsel aus der Turmkugel. Pfarrer Stephan Magirius (2.v.l.) und Architekt Uwe Mücklausch (r.) schauten gebannt zu.
Foto: Uwe Klemens

DAHME Dem Himmel noch ein Stückchen näher als sonst war Dahmes Pfarrer Stephan Magirius am Mittwochnachmittag. Er stand oben auf dem Gerüst am Turm der Marienkirche und verfolgte, wie erstmals seit 131 Jahren die Kugel von der Barockhaube entfernt wurde. Ob sich etwas in ihrem Innern verbergen würde? Und wenn ja, was? Das war die spannende Frage, der Magirius und andere Neugierige in 42 Metern Höhe nachgingen.

Wie solide unsere Vorfahren zumindest Turmkugel befestigen konnten, erlebten die Bauleute vor Ort. Es bedurfte schon des mehrminütigen Einsatzes eines Trennschleifers, um die Kugel nach oben abzuheben. Zum Vorschein kam eine sorgfältig verlötete, schwergewichtige Kapsel. Da Stephan Magirius lieber am Boden sein Gottvertrauen unter Beweis stellen mochte, nahm man die Öffnung der Kapsel erst nach dem Abstieg vor.

Ein gutes Dutzend Schaulustige hatten sich auf dem Pfarrgelände eingefunden. Staunend verfolgten sie das Aufsägen der Kapsel, in der schon bald die Botschaft unserer Vorfahren sichtbar wurde. "Ein echter Schatz", entfuhr es Architekt Uwe Mücklausch und auch die anderen Zuschauer waren beeindruckt.

Neben einer Tageszeitung vom 27. Juni 1876 und einem Amtsblatt jener Tage kamen versiegelte Münzpäckchen, Chronikblätter zur Stadt- und Kirchengeschichte sowie erstaunlich gut erhaltene Fotografien zu Tage. Selbst alteingesessene Dahmenser hatten manche der abgebildeten Gebäude und Landschaften so noch nie gesehen. Ein Foto des vor rund 100 Jahren abgebrannten Rathauses etwa dürfte als Rarität im Heimatmuseum schon bald einen Ehrenplatz erhalten. Auch das alte Magistrats-Siegel, mit dem einzelne Dokumente und sämtliche Münzpäckchen verschlossen waren, hat keiner der Anwesenden zuvor schon einmal gesehen.

Aus welcher Ära die Silbermünzen stammen und welchen Wert sie besaßen und heute besitzen, wird die nähere Untersuchung zeigen. "Sollte es mehr sein, können wir das Geld ja für die Sanierung der Kirche verwenden", kam schon mal ein Vorschlag aus der Runde.

Märkische Allgemeine vom 13. Juli 2007

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