Vorstand des Fördervereins rechnet mit dem Dorf Rosenwinkel ab

Manches Ziel ist zwar erreicht, vieles wird aber im Streit zerredet und landet sogar als teurer Fall bei Anwälten

ROSENWINKEL Der Vorstand des Fördervereins Rosenwinkel e.V. ist entlastet, sein Rechenschaftsbericht und der Kassenbericht nach Kassenprüfung wurden bestätigt.

Nur sechs der 23 Mitglieder vom Förderverein hatten an der Jahresmitgliederversammlung am Sonnabend, im Rosenwinkler Gemeindehaus teilgenommen. Glücklicher Weise ist laut Satzung nur eine einfache Stimmenmehrheit ausreichend für die Beschlussfassung.

Am Sonnabend repräsentierte Edelgard Lehmann alleine das ganze Dorf Rosenwinkel im Verein. Mandatsniederlegungen und Austritte haben Lücken gerissen. Vier der noch dazugehörenden Vorstandsmitglieder sind Berliner. Und vier Mitglieder tauchen im Rechenschaftsbericht als wirklich aktive Mitstreiter immer wieder auf. Im Rechenschaftsbericht des Vorstandes sagte Vereinsvorsitzende Elke Krebs-Köppe aus Berlin: "Meine Adresse und Telefonnummer in Berlin ist seit Jahrzehnten unverändert. Trotzdem hat niemand aus Rosenwinkel auf diesem Weg Gespräche mit mir gesucht und an Lösungen mitgearbeitet. Lieber wird Gerüchten geglaubt, ohne zu hinterfragen." Die Querelen im Vereinsvorstand und der Vereinszustand sind bekannt (MAZ berichtete bereits Mitte August 2006).

Anfangs wurde im Förderverein, der erst im Mai 2003 gegründet worden war, für dörfliche Aktivitäten gestritten und gearbeitet. Schwerpunkte waren Aktionen zum Erhalt und zur Rettung von Bauten wie die Kirche, der Park, Bahnhof und Beiträge für Dorffeste.

Vereinsvorsitzende Elke Krebs-Köppe hat auch kürzlich Kontakte zu anderen Vereinen hergestellt, um mit ihnen gemeinsam Exkursionen, Vorträge, Konzerte und Aktionen vorzubereiten und zu organisieren. Bölzke und Gadow stehen auf dem Vereinsveranstaltungsplan, das Modemuseum Meyenburg und das Museum Perleberg sollen besucht werden, auch zum Schloss nach Wolfshagen, zum Prignitz Verein, auf eine Brandenburg-Exkursionen, zur Landesgeschichtlichen Vereinigung für die Mark Brandenburg oder auch zum Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg. waren und sind Veranstaltungen geplant Sogar beim Tourismustag in Wittstock im Oktober 2006 war der Rosenwinkler Verein dabei. Oft war und ist die gebürtige Rosenwinklerin Elke Krebs-Köppe auch damit alleine geblieben. "Die Probleme der Dörfer gleichen sich. Die Dörfer verlieren ihr Gesicht. Es fehlt das Verständnis für das Erbe vor Ort", sagt die Vorsitzende.

In ihrer Abrechnung spart Elke Krebs-Köppe auch nicht die Rückschläge und Enttäuschungen aus, die hoffnungslose Spendersuche und Betteltouren für einen guten Zweck mit mageren Ergebnissen.

Dabei bekommt der Verein Dank der deutschlandweiten und internationalen Kontakte bis in die USA, von überall her Spendengelder. Doch kaum eine Münze aus Rosenwinkel ist im Klingelbeutel. Die "Chemie" zwischen den Dorfbewohnern in Rosenwinkel und zwischen der Vereinsspitze scheint "nachhaltig gestört", sagt die Vereinschefin.

Der Hauptlandwirt im Dorf und Bauunternehmer Friedrich-Wilhelm Böse ist wegen seines Dauerfehlens sogar als Vorstandsbeisitzer abgewählt worden. Der erwartet die Rechnungsbegleichung über 2000 Euro für Bauleistungen am Bahnhofsgebäude zum 100-jährigen Jubiläum 2005, die vom Verein noch nicht bezahlt wurde (MAZ berichtete). Eine im Vorjahr angestrebten "außergerichtlichen Einigung", für die sich Vereinsvorstandsmitglied Matthias Ewert eingesetzt hatte, kam nicht zustande. Ein Nerven- und Anwaltkrieg wurde angefacht, der die Atmosphäre in Rosenwinkel vergiftet.

Zur Sprache kam in der Mitgliederversammlung ebenfalls, dass der Verein über 500 Euro Außenstände durch nicht gezahlte Mitgliederbeiträge hat. Schriftführer Jürgen Berg riet dazu, ein Inkassobüro damit zu beauftragen, Karin Bedau riet davon ab " weil uns das nicht weiter bringt." Die 45-jährige Berlinerin, Leiterin einer Montessori-Kindereinrichtung in Zehlendorf, war als neues Vorstandmitglied gewählt worden.

Doch noch kann der Verein einiges bewegen. Von acht Fenstern mit Kabinettsscheiben der Kirche in Rosenwinkel wurden bereits fünf Fenster mit Hilfe des Vereins und durch Privatspenden restauriert. Holz- und Glasrestauratoren wie Jens Zimmermann aus Blesendorf und Ilona Berkei haben exzellente Arbeit geleistet. Das nächste Fenster mit dem Wappen der von Freyers soll jetzt aufgearbeitet werden. Eine Familienspende macht das möglich.

Kurt Rosenwinkel aus den USA, Professor in Berlin und Gitarrist, bietet ein Konzert für das Jahr 2008 in Rosenwinkel an. Sollte das Dorf daran nicht interessiert sein, sei ihm ein Auftrittsangebot im Schloss Wolfshagen gemacht worden.

Jürgen Berg hat inzwischen herausgefunden, dass in den USA zirka 600 USA-Bürger den Namen des Dorfes in der Ostprignitz führen. Dass sie untereinander so zerstritten wie der Förderverein mit dem Dorf, ist nicht bekannt.

Märkische Allgemeine vom 07. August 2007

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