"Jetzt ist es endlich so weit"

Restauratorin legt übermalte Ornamente in der Christus-Kirche frei

FRANK PECHHOLD

GROß KÖRIS Eingerüstet ist der Innenraum der Christus-Kirche in Groß Köris. Hier legt die Zernsdorfer Restauratorin Dagmar Rothen-Nitsche übermalte Ornamente und Schriftzüge frei. Als Vorlage dient ihr ein erhalten gebliebenes Fotoalbum aus dem Jahre 1961.

Drei Jahre später wurde die Kirche renoviert. "Dabei hat man leider die gesamte Innenausmalung überdeckt", erzählt Kurt Weise. Er wirkte von 1979 bis zu seinem Ruhestand als Pfarrer im Ort. Von Beginn an habe ihm der Gemeindekirchenrat mit dem Wunsch in den Ohren gelegen, der alten Bemalung zu neuem Glanz zu verhelfen. "Aber ich habe immer gesagt, erst müssen wir mit der Kirche außen fertig sein", sagt Kurt Weise. Schließlich hatten der Zweite Weltkrieg, Wind, Wetter und Kinder dem 1916 von Georg Büttner errichteten Gotteshaus sichtbar geschadet. "Als ich damals nach Groß Köris kam, waren 56 von 57 Kirchenfenstern kaputt", erinnert sich Kurt Weise. Kinder hätten die Scheiben mit Kastanien eingeworfen. Auch der Kirchturm bot ein klägliches Bild. "Auf den haben SS-Leute aus Löpten 1945 geschossen, weil da eine weiße Fahne hing."

Wegen der vielen Schäden begann 1980 die Generalreparatur des Gotteshauses. Beispielsweise wurden der Schwamm bekämpft, die historische Orgel restauriert und das Dach neu gedeckt. "Jetzt ist es endlich so weit, dass wir ein bisschen Geld für die Innenausmalung übrig haben", sagt Kurt Weise. Auf dieses Ziel habe man lage hingearbeitet, so Jörg Stiehl vom Gemeindekirchenrat. "Immer wieder warten bringt uns auch nicht weiter", meint Pfarrersfrau Helga Weise. Also habe der von ihr geleitete Gemeindekirchenrat beschlossen, das Gebäude in Etappen zu renovieren. Für die erste Etappe stehen 35 000 Euro Eigenmittel und Spenden zur Verfügung.

Seit Anfang August entdeckt Dagmar Rothen-Nitsche einen Teil der übertünchten Ausmalung für sich und die Nachwelt neu. "Ich hätte nie gedacht, was hier alles zum Vorschein kommt", schwärmt Kurt Weise. Er ist dankbar dafür, dass die Kirche bereits 1994 unter Denkmalschutz gestellt wurde. Auch für diese Entscheidung bildete das alte Fotoalbum die Grundlage. Das Album war dem damaligen Pfarrer Werner Orphal am 7. Juni 1961 anlässlich seines 30. Amtsjubiläums geschenkt worden. Es enthält Innenaufnahmen der Kirche. "Anhand dieser Fotos haben kluge Leute erkannt, wie wichtig die Wandbemalung ist und die Christus-Kirche unter Denkmalschutz gestellt", so Kurt Weise. Schließlich stehe in Groß Köris die letzte von Georg Büttner gebaute Kirche mit recht umfangreicher Ausmalung.

Die wurden 1964 mit Kunstharz und Leimfarbe übertüncht. Behutsam trägt Dagmar Rothen-Nitsche diese Farbschichten ab. Darunter verbergen sich Ornamente in einer Art Mischung aus Gründerzeit- und Jugendstil. "Erst dachte ich, dass ich auf viel mehr Grautöne stoße", sagt die Restauratorin. Aber erstaunlicherweise weisen die Ornamente eine ungeahnte farbliche Vielfalt auf.

Bis Ende Oktober sollen Tonnengewölbe, Zugbalken und Arkadenbögen restauriert werden. Dann fällt das Gerüst.

Wie es weitergeht, ist noch offen. "Der Gemeindekirchenrat hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, die Innenausmalung bis zur 100-Jahr-Feier der Christuskirche im Jahr 2016 zu restaurieren", sagt Helga Weise. Spender können beispielsweise einen goldenen Stern im Tonnengewölbe symbolisch erwerben.

Nach der Rekonstruktion werden hier 180 große und 128 kleine Sterne leuchten. Ein Stern kostet 150 oder 100 Euro. Alle Spender werden auf einer Tafel in der Kirche gewürdigt.

Spenden werden im Pfarramt entgegengenommen, können auch auf das Konto der Kirchengemeinde Groß Köris eingezahlt werden: Evangelische Darlehensgenossenschaft, BLZ 100 602 37, Konto-Nummer 53180, Stichwort: Groß Köris, Kirchenrestaurierung.

Märkische Allgemeine vom 14. August 2007

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