"Der Glaube hat vorangebracht"

Erster Teil des Kirchendachs von St. Marien zu Wittstock wird saniert

GERD-PETER DIEDERICH

WITTSTOCK Schon der Aufbau des Turmdrehkranes an der Seite der St.-Marien-Kirche in Wittstock ist für den Architekten Gerald Kannenberg und Mitarbeiterin Roswitha Hruby vom Architekturbüro ein Ereignis, das sie sich nicht entgehen lassen. Gestern früh wurde der Kran für die erste Teilsanierung des 5000 Quadratmeter großen Kirchendachs aufgebaut. Nur dafür wurde gestern der Kirchplatz in Wittstock gesperrt. Heute schon kann neben der Baustelle wieder spaziert und geradelt werden.

Seit zehn Jahren schlägt das Herz von Bärbel und Gerald Kannenberg sowie Roswitha Hruby für die Sanierung des mittelalterlichen Kirchenbauwerks. Sie haben den Initiativkreis zur Kirchenrettung ins Leben gerufen. So lange planen und prüfen sie auch schon, was für die Kirchendachrettung notwendig und machbar ist. "Der Glaube daran hat das Vorhaben lebendig gehalten, auch dank der großartigen Unterstützung der Wittstocker", sagt Roswitha Hruby. Die Patenschaftenaktion sorgte auch für überregionale Aufmerksamkeit über Wittstock hinaus und hat Geld in die Eigenmittel-Sanierungskasse gebracht. An den Gebinden gibt es Namensschilder spendabler Paten. Für die Dachflächenpaten gibt es eine Tafel, auf der sie verewigt sind. "Darauf ist noch Platz für weitere Patenschaften, die wir auch weiter brauchen", sagt Gerald Kannenberg.

Jetzt stehen 500 000 Euro für die Sanierung der ersten Dachhälfte, vom Kirchturm bis zum alten Ostgiebel, zur Verfügung. 80 Prozent der Investitionssumme sind Fördermittel aus dem Infrastrukturministerium. Das reicht, um 21 000 neue Dachsteine aufzulegen und in diesem Bereich vorher den zum Teil von Schwamm befallenen Dachstuhl zu sanieren.

Nachdem schon die Kirchturm-Dachsanierung vor einem Jahr im ersten Sanierungsabschnitt erledigt werden konnte, freuen sich die Architekten und der Vorsitzende des Kirchgemeinderats Gerald Kannenberg über den Beginn der großen Dachsanierung als zweiten Teil des Rettungsprogramms für die größte Kirche in Wittstock. Im Dachstuhl werden nur schwammbefallene Teile ausgewechselt. Danach wird das Dach mit 20 Millimeter dicken Biberschwanz-Dachsteinen eingedeckt. Das sind Kohlebrandziegel aus der Ziegelmanufaktur Görzke bei Berlin, die durch den Brand unterschiedliche Färbungen aufweisen, die sie nicht so neu und langweilig erscheinen lassen. Einige Dachanschlüsse werden mit Blei abgedichtet. "Wo Kupfer-Dachanschlüsse sind, kommt auch wieder Kupfer hin. Was sich reparieren lässt, bleibt liegen und wird repariert", so Roswitha Hruby. Von einer Rüstung an der Fassade aus werde vorher noch einmal alles begutachtet, um für ein dichtes Dach bis zum Gesims zu garantieren und zugleich eine zuverlässige Hinterlüftung zu gewährleisten.

Die Kirche bleibt trotz der Sanierung geöffnet, Konzerte, Kirchendienste und Veranstaltungen finden planmäßig statt. Auch die Geldspenden-Aktion geht weiter. Beim Markthoffest des Dosse-Kuriers am Sonnabend, zu dem die Leser herzlich eingeladen sind, wird für kleines Geld Essen und Trinken angeboten. Einnahmen werden anschließend für die Kirchendachsanierung gespendet.

Märkische Allgemeine vom 16. August 2007

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