Bis 2010 auch innen fertig

Dorfkirche Paretz wird ab November nach den historischen Vorgaben ausgemalt

JENS WEGENER

PARETZ Bis zum 200. Sterbetag der Königin Luise 2010 soll die Paretzer Dorfkirche auch innen wieder (fast) so hergestellt sein, dass sie den historischen Vorgaben entspricht. Dieses ehrgeizige Ziel hat sich der Gemeindekirchenrat Paretz gesetzt. Und wer die Vorsitzende Ingeborg Keil und ihren Mann Hans-Wolfgang (Baubeauftragter des Gemeindekirchenrates) kennt, weiß, dass sie es ernst meinen und auf dem Weg dahin nichts unversucht lassen werden, um weitere Gelder zu sammeln.

Das in zwei Bauabschnitte geteilte Projekt – die Turmsanierung ist Abschnitt drei und folgt später – werde etwa 240 000 Euro kosten. Der erste Teil (90 000 Euro) sei annähernd abgesichert, so Hans-Wolfgang Keil, "wobei die größten Summen aus Spenden stammen." Besonders die Kurt-Lange-Stiftung aus Bielefeld habe sich hervorgetan, "denn sie hat sich bereits 1999 bei der Sanierung des Mauerwerkes der Kirche engagiert".

Jetzt geht es um den Innenraum, der wieder in alter Schönheit erstrahlen soll. Der Startschuss fällt im November. Dann muss die Paretzer Dorfkirche zumindest zeitweise geschlossen werden.

Bereits im Jahr 2003 begannen die Vorbereitungen. "Ein Glücksfall für uns", sagt Ingeborg Keil, weil "im Zuge einer Diplomarbeit der Fachhochschule Potsdam eine Bestandsaufnahme der historischen Befunde unter der jetzigen Farbschicht in dem Gotteshaus erfolgten". Außerdem sei die Gewölbekonstruktion auf Holzschäden untersucht worden.

Darauf aufbauend wurde im letzten Winter die gut erkennbare Ausmalung der Königsloge an der Ost- und Südwand des Gebäudes freigelegt. "An der Westwand der Loge hängt das Tonrelief ’Apotheose der Königin Luise von Preußen’ von Schadow", erzählt Ingeborg Keil. Es sei ein Geschenk von König Friedrich Wilhelm III. an die Kirchengemeinde Paretz gewesen.

Mit Bürsten und durch gründliches Nachwaschen seien im Chorraum seit April die wasserlöslichen Altanstriche des Deckengewölbes und an der östlichen Giebelwand schonend entfernt worden. "Restauratoren prüften die Flächen auf Hohlräume und Festigkeit. Manche Stellen mussten mit Reinkalkputz ausgebessert werden, die Decken- und Wandflächen erhielten als Ausgleich von Unebenheiten einen kalkgebundenen, zementfreien Feinputz", ergänzt Fachmann Keil.

In mühevoller Kleinarbeit haben Experten dann mit einem Skalpell einige kleine Flächen freigelegt, um die geometrischen Details der historischen Farbfassung von David Gillys aus dem Jahr 1797 zu ermitteln.

An weitere Freilegungen an Wänden im Innenraum sei nicht gedacht. Vielmehr werden die Ausmalungen bis 2009 nach historischem Vorbild, festgehalten im Paretzer Skizzenbuch von 1811, erfolgen, ergänzt Hans-Wolfgang Keil. Wer der Kirchengemeinde Paretz finanziell helfen möchte, kann sich unter (03 32 33) 8 04 27 melden. Am Sonntag um 15 Uhr beginnt außerdem ein Benefizkonzert in der Kirche mit dem Kantatenchor der Paul-Gerhard-Gemeinde Berlin-Lichtenberg.

Märkische Allgemeine vom 22. August 2007

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