Vom Vergehen und Auferstehen

Seitenaltar in St. Peter und Paul dank Spende der SPK restauriert

ILDIKO RÖD

Ein wenig erinnert die Geschichte des barocken Altars in der Propsteikirche St. Peter und Paul, der in dieser Woche nach mehrmonatiger Restaurierung neu aufgestellt wurde, an ein Gleichnis vom Vergehen und Wiederauferstehen.

Jahrelang war es ein Altar "außer Dienst" gewesen. Seit 1985 standen viele seiner Einzelteile in irgendwelchen Ecken der Kirche verstaut; so die zwei vier Meter hohen, von Akanthusblättern gekrönten Holzsäulen, die den Altartisch flankieren. "Alles war wegen des hohen Alters desolat, das Holz trocken und die Farbe abgeplatzt", beschreibt Propst Klaus-Günther Müller den schmerzhaften Zustand. Schließlich handelte es sich bei dem Altar um eine der wichtigsten Kostbarkeiten der Gemeinde. 1724 hatte ihn der Soldatenkönig den Katholiken als Hauptaltar für ihre erste Fachwerkkirche gespendet. Als die Gemeinde 1870 in das Gotteshaus am Bassinplatz übersiedelte, wurde aus dem Haupt- ein deutlich einfacherer Seitenaltar mit teils neuklassizistischer Überformung. "Die Säulen wurden nun in Grau gefasst, die den ursprünglich marmorierten Ton überdeckten", erklärt Diplomrestaurator Oliver Max Wenske. Seit Juli hatte er mit den Diplomrestauratorinnen Grit Jehmlich und Sieglinde Timm in seinem Atelier in der Dortustraße am Altar gearbeitet. Die Restaurierung wurde durch eine 30 000-Euro-Spende der Stiftung Preußisches Kulturerbe möglich. Deren Vorsitzender Max Klaar hatte vor zwei Jahren den Altar gesehen und spontan Hilfe zugesagt.

Für das Restauratorentrio gestaltete sich die Arbeit zur spannenden Spurensuche. Barocke Partien wechseln sich mit Teilen aus dem 19. Jahrhundert ab, etwa dem Tabernakel. Eine Rarität ist der preußische Adler auf der Altarspitze: "Er neigt seinen Kopf als Zeichen der Demut vor Gott", erklärt Wenske, der auch Spuren der ersten katholischen Kirche fand. "Die Postamente der Säulen wurden vermutlich aus altem Holz der Empore gebaut wir haben noch eingeritzte Initialen gefunden." Feinste Handarbeit ist die Retusche des Altars. Statt einfach alles zu übermalen, komplettierte man schadhafte Stellen etwa auf den hölzernen Flammengefäßen mit hauchdünnen Pinselstrichen. Gänzlich neu rekonstruiert wurde der Altartisch, den Tischler Stephan Violet nach Zeichnungen neu aufgebaut hat. Erhalten war noch die Altartischfront mit einer gestickten Dornenkrone auf Filzgewebe, die das so genannte "Heilige Grab" im Inneren verschließt. Das kleine Lamm Gottes auf dem Tisch fand auf wundersamen Wegen in die Kirche. Ein Gemeindemitglied hatte es jahrelang bei sich daheim gehütet. Nun krönt es wieder das Tabernakel, als ein Symbol für Jesus Christus und die Auferstehung.

Märkische Allgemeine vom 01. September 2007

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