Risse unterm Kirchendach

Rheinsberger Evangelische Gemeinde benötigt rund 229 000 Euro

JÜRGEN RAMMELT

RHEINSBERG Wenn in den nächsten Jahren nicht etwas mit dem Dachstuhl der Rheinsberger St.-Laurentius-Kirche passiert, dann sieht Ilona Kretzschmar-Schmidt schwarz. Die Pfarrerin der evangelischen Rheinsberger Kirchengemeinde befürchtet, dass dann die Risse über den gotischen Fenstern noch größer werden und auch andere Schäden sichtbar werden.

Deshalb hat die evangelische Kirchengemeinde schon seit geraumer Zeit ein Sanierungskonzept anfertigen lassen. Beauftragt wurde damit ein Büro aus Dahlwitz-Hoppegarten, das Erfahrungen mit Kirchenbauten hat. "Wir sind im Besitz eines dicken Ordners, in dem sich auch eine holzschutztechnische und konstruktive Bewertung der Schäden befindet", sagt die Pastorin.

Alle Schäden sind dokumentiert

Dann greift die Pfarrerin spontan in ein Regal, um die vielen Zeichnungen, Bilder und Zustandbeschreibungen zu zeigen. Auf mehreren Fotos sind die Risse über den Gewölbekappen und Fenstern, die Wasserschäden und kaputten Balkenköpfe gut zu sehen. Obwohl Ilona Kretzschmar-Schmidt keine Fachfrau ist, weiß sie genau wo die neuralgischen Punkte sich befinden.

"Dort wo die Balkenköpfe unter dem Dach die größten Belastungen aushalten müssen, sind auch die Schäden am größten. Sie drücken auf die Mauern und dadurch entstehen die Risse", erläutert die Pfarrerin. Obwohl im Gebälk zum Glück kein Echter Hausschwamm festgestellt wurde, gibt es immerhin Braunfäule und auch den Trotzkopfkäfer haben die Fachleute ausgemacht.

Insgesamt verfügt die Dachkonstruktion des Gotteshauses über 21 Längsverbindungen und einige Quergebinde, die alle mehr oder weniger marode sind. "Zum Glück wurden die Glockenstuhlgebinde beim Einbau der neuen Glockenanlage saniert, sodass da keine Sanierungsarbeiten mehr notwendig sind", zeigt sich Ilona Kretzschmar-Schmidt zufrieden. Sie weiß im Moment sowieso noch nicht, wie das Ganze finanziert werden soll.

Anträge auf Hilfe sind verschickt

"Insgesamt belaufen sich die errechneten Kosten auf 228 811,18 Euro" sagt die Pastorin. Man habe zwar Anfang des Jahres an den Kirchenkreis, die Landeskirche, die Stadt sowie an die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Denkmäler Anträge gesandt, aber außer der Eingangsbestätigung würde bis jetzt jede Reaktion fehlen.

Ilona Kretzschmar-Schmidt hofft, dass es wenigstens aus ein oder zwei Richtungen positive Signale gibt, denn dann würden erfahrungsgemäß auch die anderen reagieren. Außerdem steht in der Kirche eine große Truhe, mit einem Schild, auf dem für Spenden für die Sanierung geworben wird. Auch der Bauausschuss des Kirchenkreises und das kirchliche Bauamt der Landeskirche würden über den Zustand informiert sein.

Gotteshaus muss erhalten werden

Dass das Rheinsberger Gotteshaus erhalten werden muss, steht für Ilona Kretzschmar-Schmidt außer Frage. Mit ihrem geschlossenen Ensemble, den Säulen und Kreuzrippengewölben ist die Kirche aus dem 16. Jahrhundert ein aus denkmalpflegerischer Sicht wertvolles Gebäude. Auch die Innenausstattung mit dem kostbaren Altar, dem Taufstein, der Kanzel und den Epitaphien derer von Bredow verleiht der Kirche eine besondere Würde. Außerdem verweist die Pfarrerin darauf, dass in die Kirche nie der Barock oder die Neogotik eingezogen ist. Eine Ausnahme bilde lediglich die alte Scholtze-Orgel .

Märkische Allgemeine vom 01. September 2007

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