Bald wieder mit reinem Klang

Schuke-Orgel in der Bochower Kirche wird zurzeit restauriert / Einwohner und viele Helfer sammelten Spenden

MARTINA BURGHARDT

BOCHOW So richtig schön klang sie wohl nicht mehr. "Kaum noch anhörenswert", wenn man ehrlich ist wie Johannes Schmidt, der sich nun umso mehr freut, dass es mit der Restaurierung endlich geklappt hat. Während sich die Musiker wie Peter-Michael Seifried auf das eingeschränkte Hörerlebnis einstellten, organisierten viele Bochower gemeinsam immer wieder Benefizkonzerte in der Kirche, um Geld zusammenzubekommen. Es sollte nicht so etwas wie in Hohengörsdorf passieren, dass die Orgel vollkommen kaputtgeht und schließlich zerfleddert wird.

Die Bemühungen sprachen sich herum. Vor allem die Kirche, ebenso die Kommune und Sponsoren gaben etwas dazu. Nicht nur die Christen, auch andere Bochower und viele Nachbarn aus den umliegenden Dörfern halfen. Vier Jahre lang wurde Kuchen gebacken und verkauft, gesammelt und beantragt, bis die letzte große Spende in Höhe von 7500 Euro (die MAZ berichtete) den Stein schließlich ins Rollen brachte. Vor drei Wochen rückten die Fachleute der Orgelbaufirma von Alexander Schuke an und begannen, das aus dem Jahr 1912 stammende Instrument Stück für Stück zu zerlegen. Die seltenen Einblicke in das Innenleben der Königin der Instrumente, wie sie Mozart einst bezeichnete, lassen nur erahnen, wie viel Arbeit in der Restaurierung steckt.

Als "sehr desolat" bezeichnet Ansgar Gaulke, der mit den Auszubildenden Ragnar Wende und Roman Stahl in Bochow arbeitet, den Zustand der pneumatischen Orgel. Mit ihren 13 Registern und 600 Pfeifen sei sie ein "Kind ihrer Zeit". Kein Schnickschnack also, den Schuke hier vor fast einhundert Jahren gebaut hat. Bodenständig wie die Leute hier. Zwei Manuale (die Klaviatur) und ein Pedal, alles ist auseinandergenommen. Die Tasten werden überarbeitet, damit sie bald wieder wie neu aussehen. Die Bleirohre des Windwerkes waren voller Löcher und fielen den Orgelbauern schon entgegen. Und weil die Holzwürmer ganze Arbeit geleistet haben, muss nun die moderne Chemie helfen. Die Kirche ist deshalb in der nächsten Woche geschlossen. Sowohl das Innere der Orgel als auch das Gehäuse sollen dann einer Wurmbehandlung unterzogen werden. Trotz der vollständigen Demontage manches Geheimnis behält die Bochower Schuke-Orgel wohl auch in Zukunft für sich. Zum Beispiel, woher die Brandspuren in ihrem Inneren stammen. Oder wem die Zinkpfeifen so gut gefallen haben, dass sie durch Zinn ersetzt wurden. Zeiten, in denen mit Kerzen hantiert wurde und kriegerische Habgier liefern da nur ansatzweise Erklärungen. Johannes Schmidt sucht längst in Archiven nach Quellen, wer wann was an der Orgel verändert hat.

Schon bald soll sie wieder erklingen. Am 30. September ist Erntedankgottesdienst. Dann sind alle Spender eingeladen.

Märkische Allgemeine vom 08. September 2007

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