Hamburger Geld für Altwustrow

Gesa und Hermann-Hinrich Reemtsma 
Scheue Mäzene aus Hamburg: Gesa und Hermann-Hinrich Reemtsma in der Kirche in Altwustrow. Sie setzten sich für die Restaurierung der Papierdecke ein. Den schwebenden Taufengel hin-ter sich finden sie "ganz zauberhaft".
Foto: MOZ/Cornelia Hendrich

Altwustrow (cohe) Sein Vermögen wird auf fast eine Milliarde Euro geschätzt, seine Stiftung unterstützt den Erhalt von bedeutenden Kulturdenkmälern in ganz Norddeutschland: Am Sonntag kam der scheue Mäzen Hermann-Hinrich Reemtsma aus Hamburg ins kleine Altwustrow. Denn er spendete reichlich für die Dorfkirche im Oderbruch, die eine einzigartige, himmelblaue Papierdecke hat. Mit einem Festgottesdienst wurde das Ende der Sanierung gefeiert. Wie aber wurde der große Mäzen aus Hamburg auf die Kirche in dem kleinen Dorf aufmerksam? Eigentlich nur durch einen Zufall.

Die Kirche in Altwustrow ist ein Schwarzbau. Sie wurde 1789 ohne Baugenehmigung errichtet. Die Menschen in dem Dorf wollten ein Bethaus und bauten einfach drauflos. Zunächst nur ein Fachwerkbau mit Krüppelwalmdach und ohne Turm.

"Das war bei der Sanierung zum Glück nicht mehr so", scherzte der Konsistorialpräsident der Evangelischen Kirche, Ulrich Seelemann, beim Festgottesdienst. Sechseinhalb Jahre dauerten die Sanierungsarbeiten an der Kirche, sie kosteten mehr als 800 000 Euro.

Davor sah es schlimm aus in Altwustrow, erzählt der Kirchenoberbaurat Matthias Hoffmann-Tauschwitz. Der Platz um die Kirche sei ein einziges Schlammfeld gewesen. Mitten drin stand windschief die alte Kirche. Sie war durch Grundwasseränderungen im gesamten Oderbruch in nur sechs Jahren um neun Zentimeter weggesackt. Der schöne barocke Kanzelaltar stieß gegen die Decke. Das Dach war nicht regendicht, der gesamte Bau einsturzgefährdet. Die in Norddeutschland einzigartige Papierdecke, die eher in ein Schloss denn in eine Kirche passt, hing in großen Fetzen von der Decke. Sie war zu DDR-Zeiten unter Holzplatten versteckt gewesen.

In einer spektakulären Aktion wurde die Kirche Ende 2001 um 15 Zentimeter angehoben. Danach mit weißen Kalk verputzt. In den letzten vier Jahren wurde der Innenraum saniert. Dabei trat eine weitere Besonderheit zu Tage: Unter der blauen Papierdecke lag eine weitere Deckenbemalung versteckt, eine bäuerliche Wolkenmalerei in kräftigem Rot auf Weiß, die viel besser zu dem barocken Inventar passte. "Wir mussten uns für eine entscheiden", sagt Kirchenoberbaurat Hoffmann-Tauschwitz. Wegen ihrer Einzigartigkeit für Brandenburg entschied man sich für die himmelblaue Empire-Decke aus handgeschöpften Flachspapierbögen. Möglich wurde die aufwändige Sanierung durch das Geld vieler Förderer. Einer davon war auch Hermann-Hinrich Reemtsma. "Nein, eine persönliche Beziehung in diese Region haben wir nicht", erzählt Reemtsma, der mit seiner Frau Gesa in Hamburg lebt. Es sei ein Zufall gewesen, der ihn hierher gebracht habe. "Wir sind zu Besuch bei Freunden in Potsdam gewesen, die haben uns auf das Bethaus in Wuschewier aufmerksam gemacht", erzählt er. In Potsdam beteiligte sich Reemtsma schon an der Sanierung des Belvedere auf dem Pfingstberg. Nach einem Besuch waren die Reemtsmas auch von dem Schul- und Bethaus in Wuschewier so angetan, dass sie dort ebenfalls bei der Sanierung halfen. Als sie dann einen Brief mit der Bitte um Hilfe vom Kirchenförderverein in Altwustrow bekamen, fuhren sie auch hier vorbei. "Wir kannten dann ja die Gegend schon", erzählt Gesa Reemtsma. "Und waren gleich begeistert von dieser Kirche."

Wie viel er insgesamt für die Kirche gestiftet hat, will Reemtsma nicht sagen. Er meidet die Öffentlichkeit. Aber allein für die Restaurierung der einzigartigen Papierdecke gab er 131 800 Euro. Der Kirchenoberbaurat Matthias Hoffmann-Tauschwitz schätzt, dass der Hamburger Mäzen sich in ganz Brandenburg an der Sanierung von mehr als einem Dutzend Kirchen beteiligt hat. Extra zum Festgottesdienst in Altwustrow kamen die Reemtsmas aus Hamburg, übernachteten in Neuhardenberg. Ein Vergnügen, denn: "Wir sind immer wieder begeistert vom Oderbruch", so Gesa Reemtsma.

Märkische Oderzeitung vom 25. September 2007

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