Blumen des späten Rokoko

Restauratorengemeinschaft legt Ornamente des Dollgower Hochaltars frei

ANDREAS RÖHL

 
Restauratorin Martina Klinkler (l.) zeigt einer Besucherin der Dollgo-wer Kirche, mit welcher Vorsicht sie und ihre Kollegen bei ihrer Arbeit zu Werke gehen müssen.
Foto: Andreas Röhl

DOLLGOW Restauratorin Martina Klingler setzt zu feinen Pinselstrichen an. Normalerweise arbeitet sie allein und ohne große Aufmerksamkeit am Hochaltar in der Dollgower Kirche. Beim Erntedankfest blicken ihr allerdings viele Besucher auf die Finger. Doch das kann die routinierte Fachfrau nicht verunsichern, mit ruhiger Hand zieht sie Pinselstrich um Pinselstrich und beantwortet geduldig Fragen.

Eine Restauratorengemeinschaft um den Rheinsberger Jochen Hochsieder kümmert sich derzeit um die Gestaltung des Hochaltars in der Dollgower Kirche. 20 000 Euro hat die Dollgower Kirchengemeinde für diese Arbeiten zur Verfügung. 5000 Euro gibt die weltliche Gemeinde, der Rest kommt von der Landeskirche, dem Kirchenkreis und der Sparkasse.

Als Dritte im Bunde komplettiert Ute Gimajew aus Berlin die Restauratorengemeinschaft. Während Martina Klingler die Blumenbilder auf dem Altar bearbeitet, setzt sie ein Skalpell an und schabt die oberste Farbschicht ab. "Wir legen den Altar wieder in seiner Erstfassung aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts frei", erklärt Jochen Hochsieder. Die helle, freundliche Farbigkeit, die jetzt zu Tage tritt, sei typisch für das späte Rokoko gewesen.

In der Dollgower Kirche ist nicht wie etwa im Zernikower Gotteshaus mit verzierenden Schnitzereien gearbeitet worden, sondern einzig mit Malerei. Das spricht auch dafür, dass die Dollgower damals nur wenig Geld hatten und so eine einfache Variante gewählt haben, um den Altar zu schmücken. Bisher lag auf der feinen Erstbemalung eine braune Farbschicht, die den ursprünglichen Schmuck überdeckt hatte. Das Braun ist um 1960 aufgetragen worden und war im Gegensatz zum Original sehr dunkel.

Drei Monate haben die Restauratoren für ihre Arbeit eingeplant. Seit sechs Wochen sind sie nun schon mit dem Altar beschäftigt, Mitte November wollen sie fertig sein. Dann ist die Kirche aus der Sicht der Malerei betrachtet aber noch immer nicht in ihrem alten Zustand. Auch die Holzsäulen im Kirchenraum sind irgendwann mal übertüncht worden. An einer Mustersäule kann man die originale Farbgebung erkennen. Doch das wird derzeit nicht mitgemacht werden können. Vielleicht aber zu einem späteren Zeitpunkt.

Für Pastorin Beate Wolf ist die schrittweise Sanierung der Kirche ein Segen. Schon jetzt kann sie sich über neue Bänke freuen. Die stammen aus Großwoltersdorf und sind von den Dollgowern in Eigeninitiative aufgearbeitet und eingepasst worden. Beate Wolf gibt zu, dass sie zunächst skeptisch war, weil sie nicht geglaubt hatte, dass die Bänke in das Kirchenhaus passen. Doch das Ergebnis hat sie eines Besseren belehrt und sie ist sehr froh darüber.

Märkische Allgemeine vom 02. Oktober 2007

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