Podelzigs neues Glockenduett ist da

Von Bärbel Kloppstech

Podelzigs neues Glockenduett ist da 
 

Podelzig (MOZ) Nach dem Einbau des eichenen Glockenstuhls im Spätherbst des vergangenen Jahres beginnt in der nächsten Woche die Montage der zwei neuen Glocken im sanierten Turm der Podelziger Kirchenruine. Gestern trafen sie aus Lauchhammer in Podelzig ein.

Da standen sie nun - die beiden neuen Glocken, für den Transport auf Paletten gesichert, aus Bronze gegossen und noch unberührt von künftigen Witterungseinflüssen. Die Freude der Podelziger war groß. Mit einer Andacht feierten sie deshalb gestern Nachmittag das Ereignis.

Die neue Nominal a'- mit einem Gewicht von 545 kg und die leichtere, höher klingende cis"-Glocke mit 295 kg Gewicht wurden im Sommer in der Gießerei in Lauchhammer gegossen. Fast 7000 Euro sammelten die Podelziger in den vergangenen beiden Jahren für ihr neues Kirchengeläut. Es wird zwar noch nicht wieder vierstimmig wie ursprünglich zu Hochzeiten, Taufen oder zu besonderen kirchlichen Anlässen erklingen. Doch ausgelegt ist der neue Glockenstuhl aus Eichenholz bereits prognostisch auf vier Glocken. "Wir hoffen, dass sich auch für die beiden anderen Glocken in den nächsten Jahren vielleicht noch einmal zahlreiche Spender finden", wünschte sich gestern wohl nicht nur Pfarrer Gottfried Hemmerling.

"Der Herr ist mein getreuer Hirte" steht auf der größeren Glocke mit dem Ton a' zu lesen. Das sei eine Zeile aus einem der Gesangbuchlieder, das in der Reformationszeit gedichtet wurde, sagte Pfarrer Hemmerling in seiner Ansprache. "Seit zweieinhalb Jahrtausenden beten Menschen mit diesen Worten, halten sich in schwierigen Zeiten damit an Gott fest, wenn sonst alles umher ins Wanken kommt". Gerade Podelzig habe solche Zeiten oft erlebt. Und mit dem "ganzen Dorf wurde stets auch die Kirche in Mitleidenschaft gezogen", erinnerte der Pfarrer.

Im Ersten Weltkrieg verlor die Kirche zwei ihrer vier Stimmen. Sie wurden eingeschmolzen. Noch furchtbarer waren die Verluste an Menschen, die zerstörten Dörfer, die Flucht und Vertreibung im Zweiten Weltkrieg Und auch die Kirche musste erneut auf eine Stimme verzichten. Die letzte verbliebene Glocke, einst 1721 gegossen, wurde bei der Zerstörung des Gotteshauses nach dem Krieg ebenfalls zerschlagen. "Gib uns Frieden jeden Tag" steht deshalb aus der besonderen Geschichte Podelzigs heraus auf der kleineren neuen Glocke, die auf den Ton cis" gestimmt ist. Sie rufe ins Gedächtnis, wie die Eisenglocke, die in den vergangenen 55 Jahren in Podelzig läutete, "was wir aus der Vergangenheit gelernt haben sollten: Dass wir uns um Frieden zwischen den Menschen und den Völkern mühen sollen", betonte Pfarrer Hemmerling. "Denn Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein." Nach der Montage in der kommenden Woche sollen voraussichtlich am 27. Januar die neuen Glocken eingeweiht werden.

Märkische Oderzeitung vom 11. Januar 2008

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