Der erste Strich war der schwerste

Paretzer Dorfkirche nähert sich auch innen wieder dem Original

PARETZ - Unmittelbar unter dem Dach der Paretzer Dorfkirche ist der momentane Arbeitsplatz von Restaurator Klaus Ricken und seinen Praktikantinnen Jana Adam und Sophie Schneider. Auf einem wackligen Gerüst stehend bewegen sie Pinsel, Lineal und Spachtel so geschickt, dass der Deckenbereich und der umlaufende Fries sein historisches, farbliches Aussehen aus dem Jahre 1797 zurückbekommen. Bis Ostern, so verspricht der Chef-Restaurator, werde dieser Bauabschnitt fertig sein. Was Hans-Wolfgang Keil vom Gemeindekirchenrat Paretz unterstreicht: "Dann kommt das Gerüst weg und wir feiern einen Dankesgottesdienst."

Seit Anfang November ähnelt die Paretzer Dorfkirche im Innern einer Baustelle. Mit der Besonderheit, dass das Gotteshaus auch während der Restaurierung täglich geöffnet ist. Unter den Augen der Denkmalschützer des Landes Brandenburg arbeitet Klaus Ricken streng nach den Vorgaben des Paretzer Skizzenbuches von 1811. "Zunächst mussten die vielen alten Farbanstriche am Deckengewölbe runter etwa 500 Quadratmeter Fläche. Diesen Teil hat die Potsdamer Malerfirma Matthias Boehlke bestens erledigt", sagt Ricken. Dann wurden Putzablösungen und Hohlstellen mit Injektionsmörtel verfüllt.

Rickens Aufgabe war es zunächst, die ursprüngliche Farbfassung von David Gilly in Teilen freizulegen, um die Details zu erkennen. Das sei vor allem mit einem kleinen Spachtel erfolgt, der die untere Schicht nicht beschädigt habe, ergänzt der Experte. "Wir lassen das Original drunter und malen auf den Feinputz die Gewölberippen wieder auf." Dabei müssen die Restauratoren besonders vorsichtig sein, weil die neue Farbe sich kaum mehr ablösen lässt, wie Praktikantin Sophie Schneider weiß: "Der erste Strich war der schwerste. Bloß nichts falsch machen, dachte ich, und es hat bis jetzt gut funktioniert."

Außer den Maler- und Restaurierungsarbeiten wurde in der Kirche die gesamte Elektrik erneuert. Selbst die Orgel hat jetzt einen Stromanschluss. "Aber die Glocke läuten wir auch künftig mit der Hand", verspricht Keil.

Nach Ende des ersten Bauabschnittes im Innern, der rund 110 000 Euro gekostet hat, soll im Winterhalbjahr 2008/09 möglichst der zweite folgen. "Dann sind die Seitenwände und die Sakristei an der Reihe. Eventuell beziehen wir auch die Sanierung des Holzgestühls mit ein, was sonst erst im dritten Abschnitt geschehen sollte", sagt Hans-Wolfgang Keil. Er ist des Lobes voll über die nach wie vor ungebrochene Spendenbereitschaft der Kirchengemeindeglieder und der Besucher und Freunde der Paretzer Dorfkirche. Etwa 50 000 Euro sind auf diesem Weg für diesen Bauabschnitt zusammengekommen. "Von der Kurt-Lange-Stiftung aus Bielefeld, die die Sanierung der Kirche seit 1999 unterstützt, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sowie dem Kirchlichen Bauamt des Konsortiums und anderen stammen 60 000 Euro", so Keil. (Von Jens Wegener)

Märkische Allgemeine vom 20. Februar 2008

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