Orgelsanierung im Blick

Von VIOLA PETERSSON

Hohenfinow - Orgel 

Hohenfinow (MOZ) Mehr als 500 000 Euro sind bereits in die Kirche geflossen. Aufwändig und mit viel Liebe zum Detail wurde sie saniert. Allein: Es fehlt das musikalische Zentrum. Die Orgel ist zurzeit nicht bespielbar. Der Kulturverein macht sich jetzt für deren Restaurierung stark.

Die vergangenen 100 Jahre in Hohenfinow boten eine wechselhafte Geschichte zwischen Aufstieg, Zerstörung, Enteignung sowie Neubeginn, sagt Dr. Thomas Krüger vom örtlichen Kulturverein. Dieses Schicksal widerspiegele sich auch in der Kirche.

Ab 1999 sei das Gotteshaus umfangreich saniert worden, sowohl die Gebäudehülle wie auch der Innenraum. Das Gros der Arbeiten wurde aus dem "Dach- und Fach-Programm" gefördert, so der Mediziner. Aber auch die Gemeinde, die Kirchengemeinde und viele Bürger haben sich engagiert. Nach dem Abschluss der eigentlichen baulichen Rekonstruktion im Mai 2004 gelang es, die Turmuhr mit Zifferblättern, Halb- und Vollstundenschlag sowie Geläut in Gang zu bringen. "In dem prächtigen Kirchenschiff fehlt jetzt nur noch die Orgel", sagt Dr. Krüger.

Die vergangenen Jahrzehnte haben der "Königin der Instrumente" arg zugesetzt. "Durch das damals undichte Dach drang Regenwasser in die Holzteile der Mechanik. Der Holzwurm trieb sein Unwesen. Viele Pfeifen sind verstimmt, einige wurden bereits vor Jahren entfernt", beschreibt der Hohenfinower einige der wesentlichen Schäden, die die Orgel unbespielbar gemacht haben.

Die Sanierung sei ein Gebot der Stunde. Denn: Das Hohenfinower Instrument ist eine der wenigen Remler-Orgeln, deren originaler Aufbau noch erhalten ist. "Sie gilt als die größte Remler-Orgel im Land Brandenburg", haben Dr. Krüger und Mitstreiter bei ihren Recherchen herausgefunden. Die Orgel war 1887 von der Berliner Orgelbaufirma Remler & Sohn im Auftrag von Bethmann Hollwegs auf der Westempore aufgebaut worden. Sie löste eine kleinere, nach einem Brand 1885 reparaturbedürfte, weniger repräsentative Orgel ab.

Der Kulturverein, der sich gemeinsam mit der Kirchengemeinde für die Sanierung des Instrumentes einsetzt, hat bereits Angebote für die Reparatur eingeholt. Man müsse mit einer Summe zwischen 40 000 und 60 000 Euro rechnen, so Krüger. Wobei die Arbeiten durchaus auch in mehreren Bauabschnitten realisiert werden können. Dabei hoffen die Initiatoren erneut auf die Unterstützung von Sponsoren. "Einen gewissen Eigenanteil haben wir schon zusammengetragen."

Ansinnen sei es, die Kirche zum gemeinsamen Kulturzentrum der Dorf- und Kirchengemeinde zu entwickeln - mit Lindenblüten- und Erntedankfest, Gottesdiensten, Adventssingen, aber auch regelmäßigen kammermusikalischen und einzelnen Orgelkonzerten. Mit diesen Angeboten will man zudem Touristen zum Verweilen einladen. "Im Moment nutzen die Touristen Hohenfinow doch eher als Durchfahrt in das bekanntere Niederfinow mit seinem Hebewerk", schätzt Krüger ein. Dies soll sich ändern.

Und die Chancen stehen gut. Während der jüngsten Sitzung hat der Gemeinderat beschlossen, aus der investiven Schlüsselzuweisung 2008 für den ersten Abschnitt der Orgelsanierung (Instandsetzung des Hauptwerkes) 15 000 Euro als Zuschuss zur Verfügung zu stellen. "Was sollen wir jetzt, kurz vor der Kommunalwahl, noch Straßenbau beginnen? Lasst uns stattdessen etwas zu Ende bringen", warb der Abgeordnete Dr. Bernd Specht. Und seine Kollegen pflichteten ihm bei. Wie Kämmerin Astrid Gohlke gestern auf Anfrage der MOZ bestätigte, stehen die Mittel im Etat bereit. Und auch der Verwendungszweck gehe aus ihrer Sicht in Ordnung.

Die Kirchengemeinde Hohenfinow hat ein Spendenkonto eingerichtet: Kto.-Nr. 359 411 00 04, Berliner Volksbank, BLZ 100 900 00, Verwendungszweck Orgelsanierung

Märkische Oderzeitung vom 29. März 2008

   Zur Artikelübersicht