Viele Spenden Cottbuser Bürger eingegangen

Ein kleines Wunder vollbracht bei Sanierung der Oberkirche

Cottbus 44 Monate und 1,07 Millionen Euro – das sind die zeitlichen und finanziellen Eckdaten für die Sanierung der Cottbuser Oberkirche St. Nikolai. Superintendent Matthias Blume spricht von «einem kleinen Wunder» . Damit meint er die vielen privaten Spender, die das umfangreichste Kirchenbauprojekt Südbrandenburgs finanziell unterstützt haben. Heute sind alle Cottbuser ab 18 Uhr zum Baustellenabschlussfest in die Oberkirche eingeladen.

Superintendent Matthias Blume freut sich, dass inzwischen 1600 symbolische Bausteine zur Finanzierung der Sanierung verkauft worden sind 
Superintendent Matthias Blume freut sich, dass inzwischen 1600 symbolische Bausteine zur Finanzierung der Sanierung verkauft worden sind.
Foto: Daniel Schmidt

«Vieles ist gar nicht zu sehen, das ist in der Haustechnik verschwunden» , fasst Superintendent Matthias Blume die knapp vier Jahre währende Bauzeit zusammen. Dabei verweist er zum Beispiel auf die Heizungs- und die Brandmeldeanlage. Das Gotteshaus mit modernster Technik hat aber einen Nachteil: Die Unterhaltungskosten seien enorm in die Höhe geschnellt, sagt Blume.

Im August 2004 war die umfangreichste Kirchensanierung in Südbrandenburg zunächst mit der Außenhülle gestartet. Diese war in den 90er-Jahren bereits saniert worden – aber ohne Fenster und Portale. Diese seien nun in einem sehr aufwendigen Verfahren aufgearbeitet worden. Zudem ist der Turm brandschutztechnisch ertüchtigt worden. Die Sakristei, der Raum, in dem sich Pfarrer und Mitwirkende auf den Gottesdienst vorbereiten, ist verkleinert worden. Dafür gibt es jetzt im Nordanbau eine kleine Wirtschaftsküche. «Damit wir auch mal einen Imbiss reichen können bei Veranstaltungen» , sagt Matthias Blume. Eine Etage darüber ist durch eine Doppelverglasung nun auch der Nordsaal als Gemeinderaum nutzbar.

Dass länger gebaut wurde als ursprünglich geplant, hängt auch mit einem überraschenden Fund zusammen. So war im Nordanbau der dreischiffigen Hallenkirche eine spätmittelalterliche Treppe freigelegt worden. Diese ist nun durch eine begehbare Glasscheibe sichtbar. Dadurch aber, so Blume, habe das an dieser Stelle vorgesehene Treppenhaus umgeplant werden müssen. Für Architekt Klaas Fiedler sind solche Überraschungen nicht ungewöhnlich: Er arbeite viel in denkmalgeschützten Objekten. Während des Einbaus der Fußbodenheizung und dem teilweisen Herauslösen der Ziegelplatten seien archäologische Untersuchungen gelaufen. Auch das sei bei denkmalgeschützten Objekten normal.

An die Auslöser für die umfangreiche Sanierung der Oberkirche mag der Superintendent indes gar nicht so gern erinnert werden. Der Turm habe im Jahr 2001 kurz vor der Schließung gestanden. Die alte Heizung aus den 70er-Jahren sei eine «tickende Zeitbombe» gewesen. Eine Sanierung sei unumgänglich gewesen.

Nach 44 Monaten Bauzeit ist Matthias Blume froh, «dass dieses Riesenprojekt so wunderbar gelungen ist» . An der Bausumme von etwa 1,07 Millionen Euro hätten sich auch viele Cottbuser beteiligt. Etwa 1600 symbolische Bausteine seien mittlerweile verkauft worden. «Das freut mich ganz besonders» , sagt Matthias Blume. Außerdem haben laut Superintendent der Kirchenkreis und die Landeskirche Geld gegeben. Zuschüsse aus der Städtebauförderung und Lottomittel des Landes seien eingeflossen. Auch der Erlös aus dem Verkauf des Gemeindehauses am Doll sei zur Finanzierung genutzt worden. «Schweren Herzens, aber wir mussten Prioritäten setzen.»

«Diese Bauarbeiten an der zentralen Cottbuser Kirche werden nicht die letzten gewesen sein» , vermutet Blume. Er sieht die jetzt abgeschlossene umfangreiche Sanierung «als einen Beitrag unserer Generation zum Erhalt der Oberkirche» . Auf ewig Ruhe sei dadurch aber nicht. Und eigentlich müsse es jetzt schon weiter gehen: Die Orgel, so Matthias Blume, müsse dringend gereinigt werden.

Lausitzer Rundschau vom 17. April 2008

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