KIRCHE: Kabinettscheibe mit Wappen aus dem Jahr 1657

Rosenwinkler Gotteshaus bekommt restaurierte Fenster

ROSENWINKEL - "Ich mache die Holzergänzungsarbeiten an den Jahrhunderte alten Fenstern", sagt der Holzrestaurator. Er arbeitet Schenkel und Sprossen auf oder ersetzt sie. Alle Holzteile müssen im Originalfarbton gestrichen werden. Es bleibt möglichst viel altes Holz erhalten, neues wird kaum sichtbar fürs Laienauge ergänzt. Das ist schon ein Kunststück für sich, aber auch die herauszunehmenden und wieder einzusetzenden Scheiben wollen pfleglich behandelt sein. Jens Zimmermann reinigt sie mit einem Speziallösungsmittel.

Kleinode sind die zu jedem Fenster gehörigen handgemalten Kabinettscheiben (die älteste von 1657) mit Wappen. Zwei dieser kostbaren Scheiben mussten in der Vergangenheit zum Beispiel wegen eines Durchschusses zu einer Glasfachrestauratorin.

Zimmermann versieht im Rahmen seiner Arbeit die Kabinettscheiben mit doppelt verklebtem, sechs Millimeter starkem Sicherheitsglas. Auch das jüngst eingebaute Fenster mit der Kabinettscheibe mit dem Wappen der Familie von Freier sieht nun wie neu aus. Das Wappen mit Weinkraut und Ähren glänzt original. Die Patronatsfamilie hatte um 1844 umfangreiche Renovierungsarbeiten an der Kirche ausführen lassen. Die Nachfahren der Familie von Freier spendeten für die Restaurierung dieses Fensters.

Zwei restaurierte Fenster hat der Förderverein Rosenwinkel bezahlt, die anderen die Kirchengemeinde. "Die Finanzierung des jetzigen Fensters wird ausschließlich durch Spenden von außerhalb möglich", ließ Vereinsvorsitzende Elke Krebs-Köppe wissen. Die Rosenwinkler waren an diesen Spenden nicht beteiligt.

Schon länger gibt es so gut wie keinen Kontakt zwischen der Vereinsspitze in Berlin und dem Heimatdorf der Vereinschefin. Das Zerwürfnis kam nach dem gut gelaufenen Fest "100 Jahre Bahnhof Rosenwinkel" offen zutage (die MAZ berichtete). Bis auf Einzelaktivitäten für die Kirchensanierung und die Jahresmitgliederversammlung in Rosenwinkel ist der Verein am Entstehungsort kaum noch präsent.

"Wir haben Mitgliederbeitragsrückstände von über 1000 Euro", schildert der Berliner Michael Berg, Schriftführer des Vereins und verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit. "Ich weiß von nichts", sagt die Rosenwinklerin Margarete Spiller, stellvertretende Vereinsvorsitzende und Schatzmeisterin. Sie möchte sich zum Thema nicht weiter äußern. Dazu wird am 9. August bei der nächsten Jahresmitgliederversammlung Gelegenheit sein.

Zimmermann hofft, dass die Fensterrestaurierung der Kirche weitergeht. Rund 780 Euro netto bekommt er für Material und Arbeitsleistung pro Fenster. Das sei ein Vorzugs- und Freundschaftspreis im Verhältnis zu den Arbeitsstunden. "Das ist für die Kirche", erklärt der Restaurator, der im Denkmalbereich, auch für zahlreiche Kirchen, arbeitet. Zimmermann spricht von "spannenden, glücklich machenden Aufträgen".

Im Förderverein ging es seit der Gründung 2003 auch immer spannend, in letzter Zeit nicht mehr glücklich zu. Elke Krebs-Köppe, die unverändert an Rosenwinkel hängt: "Man hat wohl vergessen, dass ich mich aufwendig zum Beispiel für die Kirchensanierung, die Zuordnung des Parks zur Gemeinde Rosenwinkel, für den Erhalt des Bahnhaltepunktes und für die Sanierung des Bahnhofshäuschens eingesetzt habe. Ohne meine Spendensammlungen wäre praktisch kaum etwas geworden." (Von Hajo Nitschke)

Märkische Allgemeine vom 14. Mai 2008

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