Herzberger Stadtkirche St. Marien in neuem Glanz / Einweihung mit «Messias»

Ein Jahrhundertwerk ist vollbracht

Herzberg. Ein weiterer Abschnitt der umfangreichen Sanierung der Herzberger Stadtkirche St. Marien geht seinem Ende entgegen. Der Innenraum der Kirche ist kaum wieder zu erkennen, so gründlich haben die Maler hier fachmännisch Hand angelegt. Am 1. Juni soll der Abschluss dieser Arbeiten mit einer weiteren Aufführung des «Messias» feierlich begangen werden.

Hezberg 
Sämtliche Säulen, Arkaden und Wände erhielten einen hellen Ziegelton-Anstrich wie er bereits 1864 verwendet wurde. Malermeister Volkmar Voigt hat viel Erfahrungen bei der Arbeit in Kirchen. Die Malerin Antje Neukirch aus Leipzig gehört zum Voigt-Team und zeichnet die Ziegelstreifen nach. Diese Herzen stammen aus dem Jahr 1868.
Foto: Sven Gückel

Die Besucher des Konzertes des Cellisten Ludwig Frankmar in der restaurierten Grochwitzer Kapelle am Samstag konnten schon mal einen Blick in den Innenraum der Kirche werfen. Er strahlt so hell wie seit Jahrzehnten nicht. Jahrelang sah es in der Kirche aus wie auf einer Baustelle. An den Wänden war der Putz abgeschlagen, das Mauerwerk außen in Lehm verpackt. Zweck des Ganzen: Die Feuchtigkeit sollte aus dem Gemäuer gezogen werden. Vor einigen Monaten haben Mitarbeiter der Firma Heinze aus Rehfeld eine umfangreiche Schwammsanierung vorgenommen und die Mauern neu verputzt. Ab März konnte Malermeister Volkmar Voigt aus Dresden mit seinen bis zu sechs Mitarbeitern in das Herzberger Gotteshaus einziehen. Die Dresdener Firma ist auf Kirchen spezialisiert. Sie hat unter anderem auch den Auftrag für die Doberluger Klosterkirche erhalten.

In den vergangenen Wochen und Monaten haben sämtliche Säulen, die Arkadenbögen und alle Wände einen neuen Anstrich erhalten, der der Farbgebung von 1864 entspricht. «Das ist ein Jahrhundertwerk, denn den letzten Anstrich bekam die Kirche vor 144 Jahren. Auch die neue Farbe im Innern wird mehrere Generationen überdauern» , sagt Pfarrerin Renate Timm. «Die Kirche ist aus Backstein gebaut, und der Anstrich soll wie damals den Backstein im hellen Ziegelton imitieren» , erklärt Volkmar Voigt. Das Ergebnis ist beeindruckend. «Ich bin total begeistert. Der Innenraum ist hell und bekommt eine erstaunliche Weite. Jetzt wirken die mittelalterlichen Deckenbemalungen erst richtig. Ich hätte nie gedacht, dass wir das alles schaffen» , so die Pfarrerin. Doch das Angebot der Firma Voigt war so günstig, dass kurzerhand andere Arbeiten in der Kirche zurückgestellt wurden, als ersichtlich wurde, den Innenraum in einem Zuge ausmalern zu können. Die Mittel dafür wurden von Bund, Land, Kirche und der deutschen Stiftung Denkmalschutz aufgebracht.

An einigen Stellen wurden bei den Arbeiten gotische Bemalungen freigelegt. «Diese wieder herzustellen würde aber einen immensen finanziellen Aufwand bedeuten» , sagt Renate Timm. «Wir haben sie überstrichen. Die Restauratoren wollen in 100 Jahren schließlich auch noch etwas zu tun haben» , fügt Volkmar Voigt lachend an. Zutage trat bei den Arbeiten aber etwas, was heute eher als «Schmiererei» bezeichnet würde. «Allerdings viel filigraner» , erzählt die Pfarrerin. «In die Kirchenwand sind in der Höhe von etwa vier Metern Herzen eingeritzt, in die die Namen Langhamer, Thiemig und Eule sowie die Jahreszahl 1868 geschrieben sind. Das sind für Herzberg gängige Namen, und die Leute müssen schon eine Leiter benutzt haben, um sich dort zu verewigen.»

Die Malerarbeiten in der Herzberger Kirche wurden mit Restaurator Jan Raue abgestimmt und durch ihn begleitet. Er hat zum Beispiel auch die kleinen blattgemusterten Kapitellen an den Säulen restauriert. «Die sind wunderschön» , sagt Renate Timm. «Man hat sie früher nur nicht wahrgenommen, weil sie grau waren wie die Säulen auch. Jetzt stechen sie richtig hervor.»

Wenn die Malerarbeiten in einigen tagen abgeschlossen sind, ist die Sanierung der Herzberger Kirche noch nicht abgeschlossen, aber ein ganz großes Stück vorangekommen. Das soll mit dem «Messias» am 1. Juni würdig begangen werden. Die erste Aufführung des Werkes durch die Kantorei und die Schüler der Musikkurse des Gymnasiums im vergangenen Jahr hatte die Musikfreunde der Region total begeistert. Die Schüler und auch die Sänger der Kantorei möchten es gern noch einmal singen. Und noch einen Grund gibt es dafür: Am 30. Mai feiert Kantor Christian Timm seinen 65. Geburtstag. Auf eine große Feier möchte er gern verzichten. Sein Wunsch zum Geburtstag ist es, den «Messias» noch einmal in Herzberg in der Kirche erklingen zu lassen. Schönere Anlässe kann es dafür nicht geben.

Von Birgit Rudow

Lausitzer Rundschau vom 19. Mai 2008

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