Wenn der Dachstuhl wieder trägt

Von Hans Still

Dachstuhl 

Eberswalde (MOZ) Ließe sich das Aufatmen mit Glockenklang ausdrücken, dann würde das Geläut der Maria-Magdalen-Kirche wohl tagelang erklingen. Zwei wichtige Etappen der dringend notwendigen Sanierung sind geschafft, verkündete ein sichtlich erleichterter Pfarrer Hanns-Peter Giering voller Genugtuung.

Schäden waren offensichtlich, aber das wahre Ausmaß beförderten erst die Fachleute an den Tag. Mit Unbehagen denkt Pfarrer Hanns-Peter Giering an die Tage im Jahr 2005 zurück, in denen das Bewusstsein dämmerte, in welcher schlechten baulichen Situation sich die Eberswalder Stadtkirche tatsächlich befand. Das Protokoll des Ingenieurbüros liest sich wie ein Attest mit der Diagnose "alsbaldiges Ableben". Statische Probleme im Chormauerwerk und eine gestörte Dachkonstruktion über dem Chorbereich, keine fachgerechte Untermauerung des Dachstuhls, alle Arten von Holzschädlingen im Balkenwerk. Dazu Pfarrer Giering: "Die Balkenköpfe waren total verrottet, das Holz war teilweise nur noch Pulver, Balken hatten sich gesenkt und lagen auf dem Gewölbe auf." Für diese Last waren die Gewölbe allerdings zu keiner Zeit ausgelegt, so dass sich nun Folgeschäden ergeben haben, die in den nächsten Jahren repariert werden müssen.

Zunächst aber sind die Ursachen dieser Schäden beseitigt, wie Giering voller Freude verkündet. Sämtliche Balkenköpfe wurden erneuert, die Dachbalken bis auf zwei Meter Länge durch frisches Holz ersetzt. Kundige Zimmerer der Firma Müncheberger Baugesellschaft verbanden neues und altes Holz, so dass der Dachstuhl wieder seine Tragkraft erlangt hat. Das größte Problem stellten allerdings die Querbalken dar, die zum großen Teil aus der Zeit um 1500, vereinzelt sogar aus 1350 stammen. Über dem Altar hatten sich diese Balken gesenkt, sie lagen auf dem Gewölbe auf. Der kundige Blick auf die Kirchendecke offenbart in der Folge heute Risse über den Bleiglasfenstern, die zunächst von außen geschlossen werden konnten.

Wer den Kirchturm heute erklimmt, bekommt ein gutes Bild von der Vereinbarkeit alter und neuer Zimmererkunst. Der Chorbereich ist jetzt begehbar, so dass nun auch Führungen möglich sind.

Dass dieses umfangreiche Sanierungsprogramm nicht zum Billigtarif zu bekommen war, liegt auf der Hand. Fördermittel flossen reichlich. Pfarrer Hanns-Peter Giering verdeutlicht aber auch: "Ohne die großzügigen Spenden von Unternehmern und sehr vielen Einzelspendern wäre das Vorhaben nicht zu realisieren gewesen." Rund 286 000 Euro verschlangen die Bauabschnitte eins und zwei, ein dritter Bauabschnitt wird nun nötig, um die Risse in den Gewölben zu verschließen. Die Spenden belaufen sich aktuell auf sage und schreibe 56 897,82 Euro, für Giering eine große Summe, die er mit großer Dankbarkeit nennt. Wann genau ein dritter Bauabschnitt in Angriff genommen werden kann, bleibt noch abzuwarten. "Auf keinen Fall vor 2010", so der Pfarrer, der sich nicht nur bei den Firmen für die gute Arbeit bedankt, sondern auch die Leistungen des Gemeindekirchenrates hervorhebt. Besonders Joachim Hagenow übernahm in Bauangelegenheiten oftmals die Vertretung des Pfarrers.

Ihm, den Firmen, allen Spendern und Eberswaldern soll am 11. Juli ab 17 Uhr in der Kirche gedankt werden. Dann wird das Planungsbüro die Sanierung vorstellen, der Dachstuhl wird besichtigt und ein Imbiss soll zusätzlich für gute Stimmung sorgen.

Märkische Oderzeitung vom 18. Juni 2008

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