BAUEN: Neuer Glanz für altes Mauerwerk

Die Sanierung des Plötziner Kirchturms ist seit gestern in trockenen Tüchern / Land gibt Fördermittel

PLÖTZIN - Fast wie einen Gottesdienst bereitet Pfarrer Reinhard Danner die Verkündung der frohen Botschaft vor: Langsam zündet er die Kerzen auf dem Altar an, rückt die Blumensträuße an den richtigen Platz. Vor ihm sitzen erwartungsvoll rund 20 Einwohner von Plötzin. "Seit zehn Jahren arbeite ich hier, und während dieser Zeit gab es immer wieder Probleme mit der Kirche, Schieferplatten fielen vom Dach, in den Turm regnete es hinein", erinnert er sich und fügt energisch hinzu: "Das wird jetzt ein Ende haben."

Strahlend nahm Reinhard Danner gestern den Fördermittelbescheid für die Sanierung der Dorfkirche von Brandenburgs Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) entgegen: Mit 65 000 Euro wird das Land die Bauarbeiten unterstützen.

"Das ist schon ein besonderer Tag", sagt eine Anwohnerin auf der Kirchenbank. "Ich wohne schon mein ganzes Leben in Plötzin, doch die Kirche wurde nie erneuert." Auch Werner Sinnok, der Küster im Nachbarort Göhlsdorf ist und in der Plötziner Kirche als Konfirmand unterrichtet wurde, freut sich über den Fördermittelbescheid: "Die Kirche ist der Mittelpunkt des Ortes, sie beinhaltet die Geschichte der Gemeinde. Deshalb ist es wichtig, sie für die nachfolgenden Generationen zu erhalten."

In den kommenden Wochen wird an der Fassade der Dorfkirche das Baugerüst aufgestellt. Als Erstes will Architekt Detlev Delfs das morsche Holz im Dachstuhl entfernen lassen, anschließend soll die Schieferverblendung am Kirchturm erneuert werden. "Wir werden sicher länger als drei Monate für die Renovierung brauchen", sagt er. "Es wird viel Handarbeit nötig sein, jede Entscheidung muss bei der Restaurierung des historischen Bauwerks genau abgewogen werden."

165 000 Euro sind für die komplette Sanierung des Kirchturms veranschlagt worden. Mit 30 000 Euro bezuschusst die Stadt Werder die Bauarbeiten, rund 1000 Euro kommen vom Landkreis. "Den Betrag werden wir vermutlich aufstocken", so der stellvertretende Landrat Christian Stein. Auch eine anschließende Ausgestaltung des Innenraumes solle eventuell unterstützt werden. Bislang steht jedoch lediglich das Finanzierungskonzept für die Kirchturmsanierung. Das Land entnimmt seinen Förderanteil von 65 000 Euro aus dem Staatskirchenvertrag. Dieser sieht jedes Jahr 1,5 Millionen Euro für die Sanierung der brandenburgischen Kirchen vor. "Wir brauchen jeden Cent, um die Kirchen in unserem Land instand zu setzen", so Kulturministerin Wanka.

Pfarrer Danner will daher auch die Bürger von Plötzin zu einer Spende für die Erneuerung des Kirchturms gewinnen. "Wenn das Baugerüst steht, werde ich mit den Einwohnern sprechen", sagt er. Mir rund 5000 Euro Spendengeldern rechnet die evangelische Kirchengemeinde. "Wir brauchen das Geld", so der Pfarrer. Eine detaillierte, historisch korrekte Rekonstruktion habe ihren Preis. (Von Anne Mareile Moschinski)

Märkische Allgemeine vom 26. Juni 2008

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