DENKMALSCHUTZ: Heiligengewänder zeigen Risse

Rühstädter Kirchgemeinde möchte spätgotischen Altar vor dem Verfall retten

RÜHSTÄDT - Garstige Teufel mit den Krallen von Greifvögeln und gehörnten Köpfen halten eine Gruppe Menschen mit Ketten zusammen, treiben sie geradewegs in den weit aufgerissenen Höllenschlund. Auf der gegenüberliegenden Seite der Altarnische schließt Petrus, der Gute, den Gläubigen die Tür zum Gotteshaus auf. Deutlicher konnte den Kirchgängern zu Zeiten schwer verständlicher, weil auf Latein abgehaltener Messen die Geschichte von Verdammung und Erlösung gar nicht präsentiert werden. Eingerahmt von diesen eindrucksvollen Szenen bildet der spätgotische Schnitzaltar den zentralen Blickfang in der Rühstädter Kirche.

"Viele Besucher, die herkommen, sind immer wieder überrascht, welche Pracht in einer so kleinen Dorfkirche vorzufinden ist", sagt Heike Pionke, die dafür sorgt, dass das Gotteshaus während der Saison Interessierten offen steht. Während die Wandmalereien in der Apsis während der Jahre 1992 bis 1995 aufwändig restauriert wurden, ist der als Tryptichon angelegte spätgotische Schnitzaltar derzeit das Sorgenkind der Kirchgemeinde. Wie Pfarrer Norbert Merten berichtet, fristete der aus der katholischen Ära der Kirche stammende Altar über Jahrhunderte ein Leben im Exil. Erst lagerte er auf dem Dachboden des Pfarrhauses, dann im Perleberger Museum. Erst 1962 stellte man ihn an Stelle des kargen Kanzelaltars wieder auf. Dabei wurde das im 15. Jahrhundert gefertigte Schmuckstück indes unsachgemäß übermalt und ausgebessert. Das Mittelteil hat vor zehn Jahren eine neue Rückwand erhalten, die vergoldet wurde. Doch die Eichenfiguren bieten bei genauem Hinsehen ein trauriges Bild. Deutlich hebt sich der zum Ausbessern von Rissen verwendete Kitt an den Gewändern der Heiligenfiguren ab. An einigen Stellen ist die Farbe abgeplatzt und das Holz gespalten. "Bei der Farbe, mit der die Gewänder bemalt sind, handelt es sich nur um eine Grundierung", berichtet der Pfarrer. Um den Schnitzaltar vor weiteren Schäden zu bewahren, hat er eine Restauratorin beauftragt, ihn gründlich zu untersuchen und einen Plan zur Sicherung des Denkmals aufzustellen. Dabei soll sie auch in Erfahrung bringen, wie die Originalfarbe der Figuren beschaffen war. Anhand ihres Kostenvoranschlages will die Kirchgemeinde sich schließlich um Fördermöglichkeiten bemühen. "Wir hoffen, dass wir genügend eigene Mittel auftreiben können und genügend Spenden zusammenkommen", sagt der Pfarrer. (Von Dorothea von Dahlen)

Märkische Allgemeine vom 24. Juli 2008

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