Dankesbezeugung aus Lindenholz

Von Sven Klamann

Frankenfelde - Predella 

Frankenfelde (MOZ) Wieder ist der Altar des Frankenfelder Gotteshauses um einen Blickfang reicher. Noch dazu um einen, der für viel Gesprächsstoff sorgt. Denn im aufwändig restaurierten Abendmahlsrelief sind Pfarrer Christian Kohler und Ex-Landrat Friedhelm Zapf als Jünger Jesu abgebildet. Die Altarsanierung soll fortgesetzt werden.

Der Biesdorfer Bildhauer Norbert Blum freut sich über die zusätzliche Aufmerksamkeit, die dem aus dem Jahr 1610 stammenden, von einem heute unbekannten Meister geschaffenen und 80 Zentimeter mal 40 Zentimeter großen Kunstwerk dadurch zuteil wird, dass er in ihm zwei prominenten Zeitgenossen ein Denkmal gesetzt hat. "Christian Kohler und Friedhelm Zapf haben sich um die Kirche in Frankenfelde bleibende Verdienste erworben", sagt der Künstler. Der eine als Pfarrer, der sich immer für den Erhalt des Gotteshauses eingesetzt und an die Eigeninitiative der Frankenfelder geglaubt habe. Der andere als Vorsitzender des kirchlichen Bauausschusses. Dass es wegen seiner kreativen Eigenmächtigkeit Diskussionen geben würde, sei ihm klar gewesen, fügt Norbert Blum hinzu.

Zu den Kritikern des künstlerischen Alleingangs gehört Klaus Koch, der als ehemaliges Mitglied im Gemeindekirchenrat ebenfalls einen riesigen Anteil daran hat, dass die Kirche von Frankenfelde außen längst ein Schmuckstück ist und innen mehr und mehr eines wird. Der Rentner käme auch nie auf die Idee, Christian Kohler und Friedhelm Zapf die ungewöhnliche Ehrung zu missgönnen. "Meine Sorge ist vielmehr, dass mit dem aktuellen Bezug die Kirchengeschichte zu stark profanisiert wird", sagt er.

Auch der Pfarrer und der ehemalige Landrat bekennen, dass sie zunächst mehr erschrocken, als erfreut über das gewesen seien, was sich Norbert Blum da erlaubt habe. Und beide verweisen darauf, dass sie die Auszeichnung nur stellvertretend für alle Helfer annehmen.

Wie der Bildhauer wissen Christian Kohler und Friedhelm Zapf jedoch um unzählige Beispiele aus der Kunstgeschichte, in denen es ähnlich gelaufen ist. "Wir finden Dankbarkeitsbezeugungen aus Stein oder Holz in jeder Stifterkirche", betont Norbert Blum, der sich eigentlich auch selbst in die Abendmahlsszene hätte schmuggeln müssen, so intensiv kümmert er sich seit Jahren um den Altar der Frankenfelder Kirche.

Schließlich hat er neben dem jüngst übergebenen Relief unter anderem bereits die Darstellung der Kreuzigung restauriert und so für die Nachwelt erhalten.

In der Kreuzigungsszene fehlt noch der Gottessohn - eine Kopie, die der Bildhauer bis Weihnachten fertig geschnitzt haben will. Das Original war auf heute nicht mehr nachvollziehbaren Wegen vor Ewigkeiten von der Frankenfelder in die Schulzendorfer Kirche gelangt und soll auch dorthin zurückkehren.

Bis zum Jahreswechsel, so hofft Friedhelm Zapf vom kirchlichen Bauausschuss, sollen zudem die Abdeckplatte über dem bisher restaurierten Altarteil und die diese tragenden vier Säulen vollendet sein. Diese Aufgabe wird eine Tischlerei erledigen. "Wir schätzen den Umfang auf 1000 Euro", sagt er. Die Frankenfelder streben an, bis zum nächsten Dorffest in zwei Jahren den kompletten Altar feierlich einweihen zu können.

Dazu müssten noch zwei Reliefs erneuert werden, die Himmel und Hölle zeigen und fast bis zur Kirchendecke reichen. Dieser obere Abschnitt des Altars wird derzeit beim Landesdenkmalamt im Wünsdorf aufbewahrt. Das Holz sei weit besser erhalten als die vom Holzwurm zerfressenen unteren Bereiche des Kunstwerks, hebt Friedhelm Zapf hervor, der auch die Arbeit in den Werkstätten in Wünsdorf gar nicht genug würdigen kann, wie er sagt. Die Experten dort würden immer mit Rat und Tat helfen.

Alles in allem, schätzt der Vorsitzende des Bauausschusses, werden, wenn alles geschafft ist, etwa 30 000 Euro in den Altar des Frankenfelder Gotteshauses geflossen sein.

Märkische Oderzeitung vom 05. August 2008

Zum Weiterlesen:
Mitteilungsblatt vom Juli 2002: Statt Punkt Doppelpunkt gesetzt
Märkische Oderzeitung vom 20. Januar 2005: Wurmkur soll den Altar von Frankenfelde retten
Märkische Oderzeitung vom 10. Juli 2006: Erstes Stück des Frankenfelder Altarbildes saniert

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