Bürger retten Kirche vor Verkauf / Jetzt Förderhilfe

Das Wunder von Bollensdorf geht weiter

Weil für eine Sanierung das Geld fehlte, wollte der Pfarrer im vergangenen Jahr Bollensdorfs Kirche verkaufen. Damit hat er die größte Bürgerinitiative der jüngeren Vergangenheit in dem knapp 130-Seelen-Dorf ausgelöst. Die Einwohner sammelten Geld, organisierten Benefizveranstaltungen und leisteten rund 300 freiwillige Arbeitsstunden am Bau. Der Einsatz wurde belohnt. Aus der Kulturstiftung der Mittelbrandenburgischen Sparkasse flossen kürzlich mehrere Tausend Euro Fördergeld. 4000 Euro steuert zudem die Dahmer Kirchengemeinde bei. Demnächst wird die Instandsetzung des Gotteshauses fortgesetzt.

Erika Günther (M.) und Malermeister Horst Schreiber erläutern Bildungsministerin Johanna Wanka in der Kirche... 
Erika Günther (M.) und Malermeister Horst Schreiber erläutern Bildungsministerin Johanna Wanka in der Kirche, wie die Bollensdorfer Bürger sich für die Sanierung des Gotteshauses eingesetzt haben.
Foto: Harald Friedrich

Dieses «Wunder von Bollensdorf» lasse nicht nur immer häufiger Reisebusse an der Fachwerkkirche stoppen, wie Einwohner Arnold Wandrei erzählt. Es führt auch Brandenburgs Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) in den Flämingort. «So hohen Besuch hatten wir noch nie» , staunen die Dorfleute. Sie berichten von der Entstehung des Gotteshauses, die ebenfalls ein kleines Wunder gewesen sei. Es wurde in den Jahren 1952 und 1953 an jener Stelle errichtet, an der zuvor das 1945 niedergebrannte Schloss gestanden hatte. «Kirchenbauten zu DDR-Zeiten waren selten» , bestätigt Johanna Wanka.

«Bollensdorf besaß bis dahin keine Kirche. Gottesdienste fanden in der Dorfschule statt» , erinnert sich Erna Krause. Als nach dem Zweiten Weltkrieg die Bevölkerung sprunghaft wuchs, sei das nicht mehr gegangen, ergänzt Marita Hannemann. Die Gemeindevertretung um den damaligen Bürgermeister Willy Mittag habe den Anstoß für den Bau eines neuen Kirchenraumes gegeben, aus dem ein richtiges Gotteshaus geworden sei.

«Bauern spendeten Bauholz aus ihren Wäldern» , erzählt Arnold Wandrei. Die Leute legten tüchtig Hand an, erinnert er sich und zeigt Schrauben im Gebälk des Innenraumes: «Die habe ich als Schmiedelehrling gefertigt.»

Die Verkaufsidee des Pfarrers habe die Menschen getroffen. Erika Günther habe die Sammelaktion im Dorf initiiert, berichten Dorfbewohner. Sie und ihr Mann Horst hätten sich vorgespannt, viele andere hätten mitgezogen, Christen und Nicht-Christen gleichermaßen, sagt Marita Hannemann.

Malermeister Horst Schreiber erklärt, am Eingangsgiebel hätten Teile des Fachwerkes herausgenommen und Balken erneuert werden müssen. Auch Teile des Daches mussten ausgebessert werden. «Über dem Altar drang die Nässe durch die Decke.» Eine Dachrinne sei angebracht und die Außenfassade gestrichen worden, zählt er auf.

Auch Jugend engagiert sich

Arnold Wandrei lobt die jungen Bollensdorfer um Patrick Mennecke und Martin Günther (beide 18). «Sie und noch ein paar Jungs haben die Decke heruntergerissen. Das war richtig schmutzige Arbeit» , sagt er.

Nach diesem ersten Schritt aus eigener Kraft wurde weiteres Geld für die Instandsetzung des Innenraums benötigt, benennt Marita Hannemann das Problem. Ihr sei die Idee gekommen, die Kulturstiftung der Sparkasse um Hilfe zu bitten. Die CDU-Landtagsabgeordnete Carola Hartfelder habe die Bollensdorfer dabei unterstützt.

«Es macht mich froh, in einer Zeit zu leben, in der Kirchen nicht mehr abgerissen, sondern wieder aufgebaut werden» , so die Politikerin. Gotteshäuser seien Teil der Kultur in den Gemeinden, fügt sie an. «Seit an der Kirche was passiert, ist im Dorf viel mehr los. Konzerte hatten wir vorher hier nicht» , sagt Arnold Wandrei.

Innenraum kommt in die Kur

Von dem Fördergeld, erklärt Erika Günther, würden die Wände, die durch die Nässe Risse bekommen hätten, ausgebessert und neu gemalert. Instandgesetzt werde auch die Winterkirche, ein beheizbarer Raum in der ersten Etage. «Dann können wir uns dort wieder treffen. Für Konzerte können die Fenster zum Hauptschiff geöffnet werden. Das schafft zusätzlichen Platz» , sagt sie. Weiteres Nebengelass werde mit dem Geld der Kirchengemeinde in Ordnung gebracht.

In diesem Jahr, so Erika Günther, blicken die Bollensdorfer auf das 55-jährige Bestehen ihres Gotteshauses zurück. Der genaue Tag der Einweihung sei in Dokumenten nicht aufzufinden gewesen. Sie schlägt vor, das Jubiläum am ersten Advent zu begehen. «Dann wird der Cantemus-Chor in der Kirche ein Konzert geben» , sagt Erika Günther. Bis dahin sollen die Innenarbeiten abgeschlossen sein.

Von Carmen Berg

Lausitzer Rundschau vom 19. August 2008

   Zur Artikelübersicht