Fliesen wirken wie ein Teppich

von Hanno Taufenbach

Architekt André Schuldt (l.) und Pfarrer Wolfgang Nier 
Architekt André Schuldt (l.) und Pfarrer Wolfgang Nier freuen sich über die gelungene Farbgestaltung
Siegmund Mackel befestigt eine kleine Gedenktafel im Altarbereich
Siegmund Mackel befestigt eine kleine Gedenktafel im Altarbereich. Darauf wird den Nachfahren der Familie des Wustrower Pfarrers Rudolf Heinrich für ihre finanzielle Unterstützung gedankt

WUSTROW - Pfarrer Wolfgang Nier nickt anerkennend: "Wir haben ein tolles Ergebnis." Die Entscheidung für den Farbton sei richtig gewesen. Fachwerk, Empore, Patronatsgestühl erhielten einen braunen Anstrich. "Wir untersuchten verschiedene Farbmöglichkeiten, leiteten die Töne aus den Deckenbalken und dem Altar ab", erklärt Architekt André Schuldt während der Bauabnahme in dieser Woche.

Jetzt passe alles zusammen, es kamen keine neuen Farben hinzu. Auch die Denkmalpflege ist glücklich. Wieder konnte ein Prignitzer Kleinod vor dem Verfall gerettet werden. Der Fußboden mit seinen schwarz gemusterten Fliesen "wirkt wie ein Teppich", sagt Ortrud Effenberger, Sachbereichsleiterin Denkmalschutz im Landkreis Prignitz.

Seit Jahren schon waren die dringend notwendigen Arbeiten geplant, doch stets fehlte das nötige Kleingeld. Der bauliche Zustand mahnte zur Eile. Perspektivisch wäre ohne Reparaturarbeiten ein Verfall unvermeidlich, weiß Wolfgang Nier.

Fassade, Fachwerkkonstruktion, Sockel seien die ersten und wichtigsten Maßnahmen der Sanierung im vergangenen Jahr gewesen, fasst André Schuldt zusammen. Mit dem Ausmalen der Kirche habe er in diesem Jahr begonnen. Ein Teil der Empore wurde zurück gebaut, die Winterkirche saniert, elektrische Leitungen verlegt, so dass es jetzt bei Bedarf eine dezente Innenbeleuchtung gibt.

Schuldt betont, dass es keine Restaurierung sei. "Wir haben den historischen Bestand konserviert, nichts zerstört." Wer sich restaurierte Kirchenfenster erhofft, wird enttäuscht. "Das wäre finanziell nicht machbar gewesen, hätte in keinem Verhältnis zu den anderen Arbeiten gestanden", begründet der Architekt.

Dafür sind aber die zwei Buntglasfenster hinter dem Altar erneuert. Das Geld gab die KD-Bank-Stiftung. Dass der Altar wieder glänzt und schadhafte Stellen verschwunden sind, sei den Nachfahren des letzten Wustrower Pfarrers Rudolf Heinrich zu verdanken.

Dessen Enkel und Urenkel kamen schon vor Jahren nach Wustrow, um die Wirkungsstätte ihres Großvaters zu besichtigen. "Die Familie hat früh signalisiert, dass sie gern die Sanierung des Altars finanzieren würde", sagt Gemeindemitglied Siegmund Mackel. Gemeinsam habe man gewartet, bis die Finanzierung der übrigen Arbeiten gesichert sei und jetzt das gegebene Versprechen eingelöst. Ein kleines Schild im Altarbereich wird künftig an das Engagement der Familie erinnern.

Ein drittes und letztes Teilprojekt steht kurz vor seinem Abschluss: die Aufarbeitung der Kronleuchter. Mittel aus dem PS-Lotterie Sparen der Sparkassenstiftung hätten dies ermöglicht, so Pfarrer Nier. In Kürze werden die Kronleuchter an der Decke befestigt.

Im Zuge der Arbeiten fanden mehrere wissenschaftliche Untersuchungen statt. So konnte das Fälldatum der Eiche für die Empore auf 1608 datiert werden. Damit sei bewiesen, dass das Holz für die 1786 erbaute Kirche zuvor wahrscheinlich für andere Zwecke verwendet wurde.

Untersucht wurde ebenfalls die Gruft unter der Kirche. Dort liegt die Adelsfamilie Julius Otto von Warnstedt begraben. Eine Kamerainspektion ergab, dass sich im Sarkophag menschliche Überreste befinden.

Für den 5. Oktober plant die Gemeinde einen Baugottesdienst. Dann werde nochmals allen Förderern gedankt, unter ihnen sind unter anderem das Kulturministerium, die Landeskirche und der Kirchenkreis.

Der Prignitzer vom 22. August 2008

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