Neuer Glanz für altes Gotteshaus

Von Oliver Köhler

Neuer Glanz für altes Gotteshaus 

Bad Freienwalde (GMD) Die St.-Nikolai-Kirche in Bad Freienwalde strahlt fast wieder wie in früheren Zeiten. Die Sanierung des Gotteshauses liegt in den letzten Zügen. Maurer und Restauratoren sind nur noch mit einigen kleineren Arbeiten beschäftigt. Ein offizieller Dankesgottesdienst ist für Sonntag, 2. November, geplant. Dann soll auch noch einmal an jenen 23. Dezember 2006 gedacht werden. An jenem Tag kurz vor Weihnachten war Pfarrerin Jutta Schmidt und anderen Kirchenmitgliedern aus Angst vor einem Einsturz das Läuten der Glocken und das Betreten des Turms verboten worden.

Auf seinen Knien sieht man Udo Saul dieser Tage vor der St.-Nikolai-Kirche in Bad Freienwalde hocken. Eine besonders innige Form von Gottesfrömmigkeit ist das jedoch nicht. Vielmehr ist der kräftige Mann mit den kurzen Haaren gerade damit beschäftigt, ein Eingangsportal des Sakralbaus wieder in seinen Urzustand zu versetzen. Mit Hammer und Wasserwaage mauert Saul Stein für Stein wieder auf. "Das ist nicht ganz leicht, denn die Steine sind Spezialanfertigungen und nicht ganz gerade", erklärt er.

Die Treppe am Eingangsportal gehört zu den letzten Arbeiten, die im Zuge der Hüllensanierung erledigt werden müssen. Dann ist die St.-Nikolai-Kirche wieder voll funktionstüchtig - wenn sie auch an einigen Stellen durch das Nebeneinander von Alt und Neu mitunter etwas bunt aussieht. "Das wird sich wohl erst in einigen Jahren geben", ist sich Jörg Brunnert, stellvertretener Vorsitzender des Kirchenrates, sicher. Der Denkmalschutz habe aber darauf bestanden, dass alle zu erhaltenen Teile auch erhalten bleiben.

Viel wichtiger als diese Ausbesserungen war jedoch die vollständige Restaurierung des Glockenturms, der in seinen Grundmauern aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts stammt. Teile des Turms, darunter auch der Glockenstuhl, waren so marode, dass der Zugang sogar gesperrt werden musste und das Läuten der Glocken verboten wurde. Auch das Dach des Kirchenschiffs hatte "statische Verwerfungen", die zu Rissen in den Wänden und in der Ecke führten. "Das war für uns damals ein ganz schöner Schock", erinnert sich Bunnert. Mittlerweile ist aber alles wieder hergerichtet - der Dachstuhl des Haupthauses genauso wie die Eckfilialen oder die bleiverglasten Fenster im Turm.

Rund 690 000 Euro haben die Arbeiten gekostet. 40 Prozent davon waren Fördermittel, den Rest musste die Kirchengemeinde selber tragen. Um die Eigenmittel zusammen zu bekommen, gab die Landeskirche Mittel dazu. Außerdem gingen die Freienwalder Christen auf Spendentour. Ein Benefizkonzert etwa veranstalteten sie gemeinsam mit Landrat Gernot Schmidt und der Kreismusikschule. Auch ausgemusterte Steine aus dem Kirchenbau wurden für eine Spende verkauft. "Die sind ein guter Hingucker im Garten", hatte damals Pfarrerin Jutta Schmidt geworben. 60 000 Euro an privaten Spenden kamen so bislang zusammen. Eine stolze Summe. "Es haben auch viele Freienwalder gespendet, die keine Christen sind, denen aber die Kirche als Bauwerk am Herzen liegt", freut sich Jörg Bunnert.

Als Dank an Spender und Bauarbeiter wird es am Sonntag, 2. November, 10 Uhr, einen Gottesdienst geben. Museumsdirektor Reinhard Schmook wird dann noch einmal die Geschichte von St.-Nikolai beleuchten, Bauingenieur Rüdiger Liedtke will etwas zu den Sanierungsarbeiten sagen.

Märkische Oderzeitung vom 24. Oktober 2008

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