BAUEN: Erinnerungen in der Spitze

Neuer Turm für Flecken Zechlins Kirche

FLECKEN ZECHLIN - Die Kirche in Flecken Zechlin war gestern Vormittag noch immer umgeben von einem großen Gerüst. Vorsichtig begab sich Kantor Martin Domke nach oben und griff zur Trompete. Die rund 30 Gäste versammelten sich unten vor der Kirche rund um die Kugel mit dem Kreuz dem Anlass für das Treffen. Einen neuen Turm hat die Kirche gerade bekommen, gestern wurde er feierlich bekrönt.

Mit 233 Jahren ist die Gemeindekirche nicht mehr die Jüngste. Ein Batzen Geld wurde gestiftet, um mit der Sanierung des Kirchenturms beginnen zu können. "Das Holzfachwerk wurde komplett freigelegt. Über 80 Prozent des Fachwerks mussten erneuert werden", sagte der Bauingenieur Andreas Nisse. Er erklärte den Gemeindemitgliedern die Turmsanierung und war hörbar stolz auf das Ergebnis.

Pfarrer Jann Branding und Andreas Nisse hatten für die Bekrönungsfeier gestern extra ein kleines Kupferrohr vorbereitet. Branding holte einen dünnen Stapel Zettel hervor und gab sie dem Bauingenieur in die Hand. Nisse hatte Zeitungsartikel über die Turmsanierung, einen Gemeindebrief, eine Liste der Baubeteiligten und einen Zettel mit den Namen der 40 Stifter der ersten 25 000 Euro. Die rollte er zusammen und steckte sie in die Kupferhülse. Das Rohr war ein bisschen zu klein und Nisse musste etwas stopfen. Handwerker verlöteten die Hülse schließlich und verstauten sie als Erinnerung in der Kugel der neuen Kirchturmspitze.

Martin Domke spielte zwischendurch ein paar Stücke auf der Trompete, und dann war alles bereit für den Aufstieg. "Es gehört schon was dazu, die fast 50 Kilogramm hoch auf die Spitze zu ziehen", sagte Pfarrer Jann Branding.

Die Handwerker aus Müncheberg zogen mit allen Kräften, erst die Kugel und dann das Kirchenkreuz auf die Spitze. Die Drei hatten zuvor schon das Fachwerk des Turmes saniert. Ein wenig mussten sich die Zechliner gestern noch gedulden, dann war es vollbracht und die Gäste bewunderten den neuen Turm des alten Gotteshauses. (Von Antje Schumann)

Märkische Allgemeine vom 03. November 2008

   Zur Artikelübersicht