Orgelklang zum Testen

Der Amerikaner John Barr hat für die Rüthnicker Kirche ein Instrument ausgesucht nun soll die Gemeinde entscheiden

RÜTHNICK - Krimi, Komödie, Liebesgeschichte: Der neuen Rüthnicker Orgel könnte ein Schriftsteller alles andichten. Aus ihrer Odyssee von Berlin in das Dorf bei Lindow ließe sich sogar ein Drehbuch machen. Noch ist die Orgel aber nicht Geschichte, sondern Tagespolitik.

Seit Jahren sucht die Kirchengemeinde nach einem passenden Instrument. Die frühere Lütkemüller-Orgel wurde irgendwann in den 70er-Jahren abgebaut. Danach rettete man sich mit Behelfsorgeln über die Jahre.

Nun ist die neue Orgel endlich da zumindest probeweise. Der amerikanische Orgelforscher John Barr stellt das 1986 von François Delhumeau gebaute Instrument als Leihgabe zur Verfügung. Barr und der Pfarrer Ulrich Baller finden, dass es bestens nach Rüthnick passt. Der zuständige Orgelsachverständige Klaus Eichhorn hat bereits schriftlich sein Einverständnis erklärt. Nun soll die Gemeinde entscheiden.

Am Sonnabend gab es darum eine erste offizielle Orgelvorstellung. Der Eindruck der 30-köpfigen Runde: Die Orgel kann bleiben wenn die Gemeinde alles dafür tut, so schnell wie möglich das Geld aufzubringen. Mit dem Verkauf von Orgelpfeifen und einer Benefizkonzertreihe könnte man das aber schaffen, glauben die Rüthnicker.

30 000 Euro will John Barr, dem die Orgel gehört, von der Gemeinde haben obwohl er sie für 50 000 Euro nach Japan hätte verkaufen können. "Aber dann hätte ich sie nie wieder gesehen", sagt Barr.

Die Gemeinde mit rund 160 Mitgliedern sammelt bereits seit fünf Jahren für eine Orgel. Mit den 5000 Euro Zuschuss vom Gemeindekirchenrat hat sie 15 000 Euro zusammen. Noch einmal so viel braucht sie jetzt immerhin nur ein Zehntel der Summe, die laut Barr für die Sanierung der alten Lütkemüller-Orgel fällig wären.

Die denkmalpflegerischen Klippen will Barr gezielt umschiffen. Zu viel habe er in 174 brandenburgischen Dorfkirchen schon mitgemacht: "Das Gute ist: Diese Orgel gehört mir wir können machen, was wir wollen." So könne er, falls gewünscht, zum Beispiel die Lautstärke der Orgel durch eine spezielle Behandlung der Pfeifen um 15 Prozent reduzieren. Oder die zwei pfeifenlosen der insgesamt fünf Register mit eigenen Sätzen ergänzen und mit den Holzpfeifen, die von der Lütkemüller-Orgel übrig sind, ein eigenes Pedalregister anbauen, das die Delhumeau-Orgel bisher nicht hat.

Ulrich Baller hat sich bereits vor Jahren in das Instrument verguckt, als er sie an ihrem bisherigen Standort in der Berliner Heilig-Kreuz-Gemeinde das erste Mal sah. Den Rüthnickern sagte er am Sonnabend: "Nun hoffe ich, dass Sie sich genauso in diese Orgel verlieben." (Von Juliane Felsch)

Märkische Allgemeine vom 17. November 2008

   Zur Artikelübersicht