KULTUR: Drei Glocken hält er nicht mehr aus

Zur Rettung des Siethener Kirchturms hat sich ein Verein gegründet / Kostenpunkt: 125 000 Euro

Siethen 

SIETHEN - Im September hatten sich zehn besorgte Menschen zusammengetan, um den Siethener Kirchturm zu retten. Siethener Dorfkirche nennen sie nun ihren neu gegründeten Verein. Angeregt hat die Gründung Peter Dunkel. Der Ludwigsfelder Kommunalpolitiker (Die Linke) war auf einer Zusammenkunft des Ahrensdorfer Pfarrsprengels und erfuhr eher beiläufig vom desolaten Zustand des Siethener Kirchturms. "Gründet einen Verein, dann könnt ihr Fördermittel beantragen", riet er.

Schon seit längerem können von den drei Glocken im Turm nur zwei geläutet werden. Und es besteht die Gefahr, dass auch diese beiden Glocken in naher Zukunft verstummen. 1920 hatte der damalige Kirchenpatron Gottfried von Badewitz die Glocken gießen lassen, nachdem im Ersten Weltkrieg die drei aus dem Jahr 1553 stammenden Glocken "fürs Vaterland" eingeschmolzen worden waren. Die neuen Glocken tragen die Namen der Kirchenpatrone: Die größte Glocke heißt "Hermann" und wiegt 721 Kilogramm, die mittlere Glocke "Gottfried" ist 418 Kilogramm schwer, das Leichtgewicht ist "Werner" mit 335 Kilogramm. Einem gemeinsamen Klang kann das marode Gebälk des Kirchturms allerdings nicht mehr standhalten. Ein Stützbalken von zirka zwölf Metern Länge ist von einsickerndem Regenwasser stark angefault und muss dringend ersetzt werden. Um an das Gebälk zu gelangen, muss der gesamte Turm abgedeckt werden. Auf 125 000 Euro belaufen sich die Sanierungskosten. Die Mitglieder des neuen Vereins starten nun einen Spendenaufruf. Yvonne Wendtland sagt, man sei für jede Spende dankbar, und sei sie noch so klein.

Die Feldsteinkirche von Siethen ist das älteste Gebäude im Dorf. Ihre Anfänge reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück. Der so genannte Quaderbau ist errichtet aus märkischen Findlingen. Urkundlich erwähnt wurde das Kleinod erstmals 1375. Der Turm kam nach der Kirche dazu und besteht im unteren Teil auch aus Findlingen. Oben war er zunächst aus Holz, das wurde im 18. Jahrhundert von Mauersteinen ersetzt. 1909 erhielt der Turm seine jetzige Form.

Wer zur Rettung des Kirchturms beitragen will, melde sich bei Yvonne Wendtland, 01 72/1 01 68 07, oder Sönje Springer, 0 33 78/ 5 1 17 10. (Von Gudrun Ott)

Märkische Allgemeine vom 27. November 2008

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