Rastplatz für die Seelen Durchreisender

Von Sven Klamann

Autobahnkirche 

Werbellin Die Autobahnkirche geht in ihr achtes Jahr. 18 Familien aus Werbellin sorgen dafür, dass das Gotteshaus den Durchreisenden offen steht. So mancher Eintrag im Gästebuch kündet davon, wie willkommen der Ort der Ruhe nahe der A 11 vielen Gläubigen ist. "Unsere Autobahnkirche lädt zur Rast für die Seele ein", sagt der Finowfurter Pfarrer Ulf Haberkorn (35), zu dessen Sprengel Werbellin gehört. Das sei das Angebot aller dieser Stätten, von denen es in Brandenburg nur noch das Gotteshaus an der A 13 in Duben bei Lübben im Spreewald gibt.

Die Werbelliner Kirche liegt knapp einen Kilometer von der Autobahnausfahrt entfernt und entspricht damit gerade so noch den Anforderungen, die von der Konferenz der Autobahnkirchenpfarrerinnen und -pfarrer aufgestellt wurden. Der Abstand darf 1000 Meter nicht überschreiten. Hatten die Werbelliner bei der Distanz einfach Glück, tragen sie ansonsten selbst dazu bei, dass auch das zweite wichtige Kriterium erfüllt wird. "Wir sichern mit einem wechselnden Dienstplan die tägliche Öffnungszeit zwischen 8 und 20 Uhr ab", berichtet Silvia Schickor, die dem Gemeindekirchenrat vorsteht. Dieses Ehrenamt hat die 50-Jährige von ihrem Vater Siegfried Madel übernommen, der mit Ulf Haberkorns Vorgänger, dem Pfarrer Carsten Rostalsky, zu den Initiatoren des Autobahnkirchen-Projekts gehört.

Unter den 18 Familien des Ortes, die sich die Schlüsselgewalt für das Gotteshaus teilen, sind auch acht, die nicht dem "Den Werbellinern, ob konfessionell gebunden oder nicht, ist es einfach wichtig, dass ihre beeindruckende Kirche, die erst 1914 geweiht wurde, rege genutzt wird", erklärt sich Ulf Haberkorn das Interesse an der verantwortungsvollen Aufgabe, zu der obendrein zählt, im Gotteshaus regelmäßig nach dem Rechten zu sehen. "Bislang ist noch nicht ein einziger Ausstattungsgegenstand abhanden gekommen", kann Silvia Schickor bilanzieren.

Dass in Werbellin die Besucher jedoch nicht gezählt werden, hat mit dem für eine solche Erfassung nötigen personellen bzw. technischen Aufwand zu tun, den sich die Kirchengemeinde nicht leisten kann.

Auch auf eine Möglichkeit, am Altar Kerzen zu entzünden, müssen die Durchreisenden verzichten. "In der Kirche dominiert Holz. Offenes Feuer verbietet sich da schon wegen der Brandgefahr", erklärt der Finowfurter Pfarrer.

2008 haben sich 53 Besucher in dem dicken Buch verewigt, das vom ersten Tag der Autobahnkirche an ausliegt. Die Einträge reichen von Halbstarken-Prosa wie "Wir waren hier!" bis zu ganzseitigen Gebeten, in denen Gläubige nach Schicksalsschlägen wie Todesfällen in der Familie oder schweren Erkrankungen um Hilfe flehen. "Am weitaus häufigsten wird Gott jedoch um seinen Reise-Segen gebeten", berichtet Ulf Haberkorn.

Märkische Oderzeitung vom 25. Januar 2009

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